Sich den pericula, den Gefahren vor Gericht und in der Politik, auszusetzen war eine bewusste Entscheidung Ciceros, zu der es Alternativen gab, wie man an den Lebenswegen seiner Freunde Atticus und Matius sehen kann. Zu den pericula gehörte in den unruhigen Jahrzehnten der Republik, die freilich von ihrem Untergang noch nichts wusste, auch der Zwang, Partei ergreifen zu müssen, wenn es hart auf hart ging. Cicero, dem das eigentlich nicht lag, hat es in seinem Leben zweimal getan: 63 v. Chr. setzte er als Konsul die Hinrichtung der gefangenen Anhänger Catilinas durch und bescherte der alten Führungsriege ein letztes, überschätztes Erfolgserlebnis. Und 20 Jahre später, nach Caesars Tod, mobilisierte er die Verbliebenen und die Lauen im Senat zum Kampf gegen Antonius. In beiden Fällen konnte er nur für kurze Zeit seinen Triumph genießen. Dem Konsulat folgten Flucht und Exil, dem Sieg über den vermeintlichen neuen Tyrannen der Tod durch die Hand von Mördern am 7. Dezember 43 v. Chr.
Der in Saragossa lehrende Autor Francisco Pina Polo berichtet anschaulich von Ciceros Leben, Handeln und Schreiben. Dabei durchbricht er immer wieder die Chrono‧logie und schiebt essayartige Kapitel zu Leitthemen der Biographie ein. Der Leser kann sich so ein Bild von der Staatsphilosophie, aber auch von den Finanzen Ciceros machen oder vom Problem der politischen Gewalt in Rom. Hilfreich sind die zahlreichen, gut ausgewählten Zitate.
Ciceros Identifikation mit der res publica, der das Buch seinen genialen Titel verdankt, war weit mehr als ein Topos – sie war eine am Ende verhängnisvolle Manie. Pina Polo sucht keine Kompensation in einer humanistischen Heiligsprechung des Schriftstellers, der zum Vater Europas wurde. Eher macht er im Medium der Biographie ein ziemlich verqueres, von zahlreichen Risiken behaftetes, seine Großen zugleich inspirierendes und verschlingendes politisches System verständlich.
Rezension: Prof. Dr. Uwe Walter




