Von RAINER KURLEMANN
Der Hunger nach Rohstoffen macht auch vor den Ozeanen nicht Halt, denn der Meeresboden birgt Schätze, die zur Produktion von Hightech-Geräten, Hochleistungslegierungen und Batterien dringend benötigt werden. Der Bergbau im Meer könnte eine neue Quelle für wertvolle Metalle wie Mangan, Nickel, Kobalt, Titan, Molybdän, Zirkon, Tellur, Bismut, Niob, Wolfram, Antimon, Indium, Selen, Gallium und Germanium sein.
Untersuchungen haben ergeben, dass die Lagerstätten in den Ozeanen wesentlich größer sind als die Vorräte in den Minen an Land. Das macht die Idee des Tiefseebergbaus noch verlockender. Die internationale Meeresbodenbehörde (ISA) hat bereits mehr als zwei Dutzend Lizenzen zur Erforschung und Erprobung des Tiefseebergbaus erteilt. Auch die Technologie für den Abbau steht bereit. Das kanadische Unternehmen Nautilus hat Bagger, Schürfmaschinen und Förderbänder konstruiert, die weit unter dem Meeresspiegel den Boden aufreißen, zerkleinern und aufwärts zu einer Basisstation auf einer schwimmenden Plattform transportieren.
Hohes Investitionsrisiko
Doch das erste kommerzielle Projekt im Tiefseebergbau ging baden. Nautilus hatte mit der Regierung von Papua-Neuguinea eine Lizenz ausgehandelt, die den kanadischen Wasserbergleuten Schürfrechte für ein 14 Hektar großes Abbaugebiet in etwa 1700 Metern Tiefe zwischen dem Bismarck-Archipel und der Hauptinsel des Landes einräumte. Dort lagern im Bodengestein große Mengen wertvoller Metalle, die durch zahlreiche Vulkanausbrüche in der Erdgeschichte mit Magma nach oben gespült worden sind. Die Firma hatte sich nicht um die internationale Gesetzgebung kümmern müssen, da das Terrain im Hoheitsgebiet von Papua-Neuguinea liegt, ein einfacher Vertrag mit der Regierung reichte aus. Doch im November 2019 kam das Aus. Nautilus musste Insolvenz anmelden, die Banken stoppten ihre Finanzierung. Der Inselstaat hat aus dem Fiasko – er hat ebenfalls investiertes Geld verloren –und dem Widerstand der eigenen Bevölkerung gelernt und die vorher an Nautilus erteilte Lizenz nicht weiterverkauft, sie ist mittlerweile verfallen.
Die großen internationalen Banken haben sich derzeit aus der Finanzierung von Tiefseebergbau-Projekten weithin zurückgezogen, das Risiko ist zu hoch. Da helfen auch die Ertragsversprechen der Industrieunternehmen nicht. Nautilus hatte mehr als 5000 mögliche Abbaugebiete weltweit erkannt und verhandelte bereits mit Tonga und den Salomon-Inseln über weitere Schürfrechte im Pazifik. Daraus wurde nun nichts.
Hohes Umweltrisiko
Die Pleite von Nautilus ist ein Gewinn für den Meeresschutz. Denn der Tiefseebergbau steckt voller unbekannter Risiken. „Durch den Abbau wird eine große Wolke von Sedimenten und giftigen Metallen entstehen“, sagt Matthias Haeckel vom Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel. Während die größeren Stücke binnen weniger Stunden wieder zu Boden sinken, treiben die feineren Partikel nach seiner Einschätzung über mehrere Wochen durch das Meer. „Wir wissen nicht, wie das Ökosystem, wie Fische und Fischlarven auf diesen feinen Staub reagieren. Die Organismen, die Wasser filtern, können dieser Belastung kaum entkommen“, erklärt der Meeresbiologe.





