Aufgrund fehlender Schriftquellen beruhen heute Kenntnisse über das römische Aachen fast ausschließlich auf archäologischen Funden. Diese waren lange ebenfalls recht spärlich und degradierten den Ort zu einer unbedeutenden Ansiedlung. Zwar müssen weiterhin einige Fragen unbeantwortet im Raum stehen bleiben – weder Name, noch Status und Provinzzugehörigkeit sind bekannt –, jedoch machen die nun veröffentlichten Ergebnisse deutlich: Aachen verfügte über urbane Strukturen der römischen Kultur und war durch ein dichtes Straßennetz fest in sein Umland integriert. Typlogische Vergleiche weiten das betrachtete Siedlungsnetz und zeigen mögliche Tendenzen der Entwicklung und Bedeutung Aachens auf: Vorgestellt werden die archäologisch besser aufgearbeiteten Orte Maastricht, während der Römerzeit eine kleine Ansiedlung (vicus), und Tongeren, welches nach Köln eine der bedeutendsten Städte (civitates) im Gebiet war.
Der Sammelband bietet einen Einblick in die aktuelle Forschung und deren Fragestellungen. Die Beiträge stehen einzeln für sich, so dass Themenbereiche separat erarbeitet und diskutiert werden können. Kartenmaterial und das angefügte Glossar erleichtern zudem den Einstieg in die Thematik. Wer sich einen zusammenhängenden Überblick in die frühe Geschichte Aachens verschaffen möchte, ist jedoch besser beraten, zu dem 2011 von Thomas Kraus veröffentlichten ersten Band der Stadtgeschichte zu greifen: Einige der Autoren des vorliegenden Bandes wirkten hier ebenfalls mit, setzten jedoch weniger den Fokus auf die Forschungskontroverse.
Rezension: Sabrina Tatz




