Konsequent stellt er die Geschichte der römischen Republik in den Zusammenhang der Mittelmeerwelt, die niemals uniform war, vielmehr „polyethnisch, multilingual, multikulturell und religiös vielgestaltig“. Die Stimmen von der Peripherie sind hier stets zu vernehmen. Das Wachsen der römischen Macht wie noch Theodor Mommsen von einem sinnhaften Ende her zu betrachten – zunächst der Einigung Italiens, dann der Unterwerfung der Mittelmeerwelt – haben wir uns längst abgewöhnt.
Sommer behandelt nicht nur wegen der unterschiedlich guten Quellenlage die Geschichte Roms bis etwa zum Anfang des 3. Jahrhunderts v. Chr. als ein Konglomerat von Gegebenheiten, die sich nur langsam wandelten; die folgende Epoche war von beschleunigten Prozessen und Ereignissen bestimmt, die die Entwicklungen vorantrieben.
Der erste, „Urbs Roma“ überschriebene Hauptteil umfasst 140 Seiten und reicht bis zum Pyrrhos-Krieg, der zweite, „Res Publica“, behandelt auf 160 Seiten grob die früher so genannte „Klassische Republik“. Zur Konsistenz der Darstellung trägt bei, dass Sommer bestimmte Aspekte in beiden Teilen verfolgt: formative Grundstrukturen, Momente der Identitätsfindung sowie Rom in Italien. In der Frage der Mo‧tive und Mechanismen der Expansion verweist er auf den modernen Vergleich Roms mit einem Verbrechersyndikat, „das seine Opfer entschädigt, indem es sie zu Komplizen seines nächsten Coups macht“.
Unter „Orbis Terrarum“ werden auf 270 Seiten die letzten vier Generationen der Republik konturiert, wobei der Autor den Einschnitt nicht beim Volkstribunat des Tiberius Gracchus setzt, sondern fast das ganze 2. Jahrhundert als eine Phase schildert, in der Alternativen zunächst denkbar, dann bekämpft und eingehegt, am Ende aber einfach mit schierer Gewalt durchgesetzt wurden.
Stärker als in früheren Entwürfen findet sich hier generell der Faktor des Unberechenbaren. Offenbar fällt es Historikern heute leichter, die Geschichte nicht mehr als Verwirklichung des Notwendigen objektivieren und dadurch „adeln“ zu müssen, sondern sie als mitunter selbst im Rückblick schwer begründbare Verwirklichung einer Möglichkeit unter mehreren zu fassen. Sommer skizziert in diesem Sinn die Kontroverse über die Zwangsläufigkeit des „Untergangs“ der Republik. Wenn dem historischen Prozess kein vorbestimmter Endzweck mehr innewohnt, ist die Aufgabe des Geschichtsschreibers umso größer. Hier wurde sie eindrucksvoll bewältigt.
Rezension: Prof. Dr. Uwe Walter




