Das Tierreich jedenfalls ist voll von Beispielen. In vielen Fällen haben die Männchen zum Beispiel spezielle Qualitäten entwickelt, um Weibchen anzulocken. Und nicht immer handelt es sich dabei nur um schmuckvolle Ausstattung wie Pfauenfedern oder Löwenmähnen. So bauen beispielsweise Laubenvögel komplexe Lauben und dekorieren sie kunstvoll mit auffälligen Objekten, um sie als Bühne für ihre Balzrituale zu nutzen. Weibliche Laubenvögel bauen keine Lauben – und könnten es wohl auch gar nicht. Ähnliches gilt für den Bau der Balznetze von Webespinnen.
Oder Tanzen! Viele Fisch- oder Vogelmännchen werben mit komplexen und rhythmischen Tänzen um Weibchen, während letztere sich das einfach nur ansehen.
Aber auch in Sachen Kommunikation haben oftmals die Männchen besondere Fertigkeiten entwickelt. Männliche Feuerameisen versprühen beispielsweise Duftstoffe aus speziellen Drüsen, um mit anderen Mitgliedern ihrer Kolonie zu kommunizieren und Gruppenaktivitäten zu koordinieren. Oder die tiefen und lauten Rufe männlicher Brüllaffen: Auch diese dienen eher der Fernkommunikation mit anderen Männchen und der Verteidigung ihres Territoriums als dem Imponieren von Artgenossinnen. Diese kommunizieren natürlich ebenfalls, bekommen dabei allerdings nur ein gedämpftes Grunzen, Jammern oder Quietschen hin.
Und jenseits von Werben, Imponieren und Kommunizieren? Können Männchen auch zu anderen Zwecken etwas viel besser als Weibchen? Stellen Sie diese Frage beispielsweise mal dem Betreiber einer Seidenspinner-Farm. Der wird Ihnen erklären: „Sicher, sowohl männliche wie auch weibliche Raupen wickeln sich zur Verpuppung in einen Seidenkokon. Doch nur das Männchen produziert dazu die hochedlen, langen Seidenfäden, die wir haben wollen. Die Kokons der weiblichen Raupen sind viel dünner und die Fäden von keiner brauchbaren Qualität.“ Warum das so ist, weiß man nicht. Aber Werben, Imponieren und Kommunizieren scheiden wohl aus.
Bleiben wir dennoch bei diesem Beispiel, und schlagen damit ab jetzt eine ganz andere interessante Richtung ein. Denn dreimal darf man nun raten, welches das höchste Begehr eines Züchters dieser Seidenspinner-Schmetterlinge Bombyx mori sein dürfte. Richtig, dass aus ihren Eiern möglichst viele Männchen schlüpfen. Die Natur jedoch tut ihnen diesen Gefallen nicht.
Oft wird die Forschung allerdings gerade durch solche konkreten Anwendungsmöglichkeiten auf Fragen gestoßen, die sich schnell als spannender entpuppen als zunächst gedacht. Hat man zu Beginn nur die Optimierung einer gewünschten Eigenschaft im Fokus, stößt man plötzlich auf zugrunde liegende Phänomene, hinter denen sich Erkenntnisse offenbaren, deren Tragweite weit über die ursprünglich angepeilte Frage hinausgeht.





