Das Starship vom US-Unternehmen SpaceX ist die größte Rakete der Welt und ein Projekt der Superlative: Trägerrakete, Raketenoberstufe und Raumkapsel sind zusammen 120 Meter hoch, das gesamte Ensemble ist größer und leistungsstärker als die legendäre Saturn-V der Apollo-Missionen. Im Gegensatz zu gängigen Trägerraketen können jedoch sowohl die Hauptbrennstufe als auch das eigentliche Starship kontrolliert wieder landen und sind wiederverwendbar.
Damit könnte das Starship eine neue Ära der günstigeren und schneller wieder startbereiten Raumfahrt einläuten – sofern die neue Superrakete zuverlässig und sicher funktioniert. Doch gerade an diesem Punkt haperte es bisher. Zwar gelang es SpaceX im Oktober 2024 erstmals, die Hauptbrennstufe des Starship bei ihrer Landung mit riesigen Fangarmen einzufangen. Bei den meisten Tests der Rakete und ihrer Oberstufe gab es jedoch Fehlfunktionen und Explosionen. Erst der zehnte Testflug im Oktober 2025 verlief erfolgreich.
Allerdings: Alle bisherigen Testflüge des Starship waren suborbital – die Rakete und ihre Oberstufe erreichten nicht die Erdumlaufbahn und umrundeten auch nicht die Erde.
Erster Flug des Starships bis in die Erdumlaufbahn
Doch der neue Flugtest ändert dies: Klappt der Start heute ab 14:15 Uhr unserer Zeit, könnte erstmals ein Starship den Erdorbit erreichen. „Bei dieser orbitalen Mission soll das Starship eine Flughöhe von rund 275 Kilometern über der Erdoberfläche erreichen und unseren Planeten im Verlauf des zehnstündigen Fluges rund sechsmal umkreisen“, berichtet SpaceX. Bei diesem 14. Testflug trägt das Starship als Nutzlast 26 Starlink-Satelliten, die es in der Erdumlaufbahn aussetzen soll. Start und Verlauf des aktuellen Flugtests werden durch SpaceX live übertragen.

Das Starship samt Trägerrakete bei einem Betankungstest im Mai 2026. — © SpaceX
Und so läuft der aktuelle Flugtest ab: Der Super-Heavy-Booster – die erste Brennstufe der Trägerrakete – wird das Starship zunächst in eine suborbitale Höhe bringen. Dort erfolgt die Abtrennung des Boosters, der dann sein Umkehrmanöver durchführt und kontrolliert im Golf von Mexiko landen soll. Hierfür wird entscheidend sein, dass beim Start alle 33 Raptor-Triebwerke zünden und dass bei der Landung 13 dieser Triebwerke die Rakete abbremsen. In früheren Tests versagten einige dieser Triebwerke dabei.
Orbitflug und heißer Wiedereintritt
Das Starship und die Raketenoberstufe werden nach erfolgreicher Abtrennung die Triebwerke noch einmal zünden, um bis in die Erdumlaufbahn aufzusteigen. Dort werden die Starlink-Satelliten ausgesetzt. Nach den Erdumkreisungen wird das Starship durch Zündung eines Raptor-Triebwerks so stark abgebremst, dass es den Orbit verlässt und kontrolliert wieder in die Erdatmosphäre eintritt. Dabei muss die Rakete einer Hitze von mehr als 1300 Grad standhalten.
Damit das Starship diese Hitze aushält, ist seine Oberfläche mit speziellen Hitzeschutzkacheln bedeckt. Allerdings waren einige davon in den suborbitalen Flugtests abgefallen, andere waren schon bei niedrigeren Temperaturen beschädigt worden. Um dies beim aktuellen Test zu verhindern, hat SpaceX die Befestigungen der Hitzeschutzkacheln erneuert und in einigen Bereichen auch die Form der Kacheln angepasst. Während des aktuellen Flugtests werden drei der vom Starship ausgesetzten Starlink-Satelliten den Zustand der Hitzeschutzkacheln mit Kameras überwachen.
Wie groß ist die Gefahr für Raumstationen und Satelliten?
Doch dieser Flugtest ist nicht nur eine Premiere für die SpaceX-Rakete, er ist auch deutlich riskanter als alle vorherigen Testflüge. Denn wenn SpaceX die Kontrolle über das Starship oder seine Antriebs-Oberstufe verliert – wie schon häufiger vorgekommen -, dann wird die Rakete nicht einfach zur Erde zurückfallen und in den Ozean stürzen. Einmal in der Erdumlaufbahn angekommen, ist das Starship schnell genug, um dort auch im Falle eines Antriebsausfalls oder Defekts weiter zu kreisen – es wird zu einem riesigen Stück Weltraumschrott.
Um Gefahren für Satelliten und bemannte Raumstationen zu minimieren, soll das Starship in einen sehr niedrigen Orbit einschwenken. Mit 275 Kilometern Höhe liegt die geplante Umlaufbahn deutlich unter der rund 400 Kilometer hoch fliegenden Internationalen Raumstation ISS und der chinesischen Raumstation Tiangong in rund 340 Kilometer Höhe. Allerdings ist nicht ausgeschlossen, dass ein außer Kontrolle geratenes Starship mit Satelliten oder anderem Weltraumschrott kollidiert.
Risiko weit verteilter Trümmer
Um dies zu verhindern, plant SpaceX, seinem Starship den Befehl für den letzten Schub nur dann zu erteilen, wenn alle Systeme korrekt funktionieren – und wenn sichergestellt ist, dass das Starship auch wieder kontrolliert zur Erde zurückkehren kann: „Starship wird das Triebwerksmanöver zum Erreichen der Umlaufbahn erst dann durchführen, nachdem das Flugkontrollteam sichergestellt hat, dass die für das spätere Deorbit-Manöver kritische Hardware eine ausreichende Redundanz aufweist“, schreibt SpaceX.
Doch es gibt noch ein weiteres Risiko: Wenn das Starship beim Zünden des finalen Schubs explodiert oder auseinanderbricht, könnten sich die Trümmer über eine weit größere Fläche verteilen als bei früheren Tests. Ähnliches gilt für den Weg vom Wiedereintritt bis zum geplanten Sturz in den Pazifik. „Unsere größte Sorge ist es, dass das Raumschiff über Land auseinanderbrechen und dann Trümmer auf Menschen hinabregnen könnte“, erklärte SpaceX-Gründer Elon Musk kürzlich bei einer Konferenz.
Quelle: SpaceX, CNN





