von Andreas Thoss
Der 14. Mai 2020 war für die internationale Quanten-Community ein denkwürdiges Datum: Samsung hat an dem Tag das erste Smartphone mit Quantenverschlüsselung angekündigt. Nur eine Woche später erschien das Galaxy A Quantum tatsächlich in den Geschäften Südkoreas.
Es war mit dem QRNG-Chip ausgestattet, einem Quanten-Zufallszahlengenerator, hinter dem sich Technologie der Schweizer Firma ID Quantique verbirgt. Damit ließ sich ein Sicherheitsbaustein realisieren, der nicht mehr auf theoretisch vorhersehbaren Mustern beruht, sondern auf fundamentalen Zufallsprozessen der Quantenphysik. Ein erstaunlicher Durchbruch, denn damit konnten ganz normale Kunden echte Quantenhardware kaufen, lange bevor der erste Quantencomputer Serienreife erreicht hat.
Die Technik in diesem Smartphone war zwar schon miniaturisiert, beruhte aber im Kern auf relativ einfachen Quanten-Lichtquellen. Forscher arbeiten weltweit daran, noch bessere Lichtquellen zu bauen, die für ganz verschiedene Anwendungen optimiert sind.
Eigentümliches Quantenlicht
„Bislang nutzen wir Licht vor allem zur Beleuchtung und als Träger von Informationen im Internet“, erklärt Karin Burger. Sie leitet am Fraunhofer-Institut für angewandte Optik und Feinmechanik IOF in Jena Projekte zur Entwicklung neuer Quantensysteme. Doch in der Quantenwelt kommt noch etwas Entscheidendes hinzu: der einzelne Photonenzustand. Lichtteilchen oder Photonen können nicht nur „da“ oder „nicht da“ sein, sie haben auch Eigenschaften wie Wellenlänge oder Polarisation – also in welcher Ebene die elektromagnetische Welle schwingt. Wenn zwei Photonen gemeinsam erzeugt werden, hängt ihre Beziehung entscheidend von der Kombination dieser Eigenschaften ab. Im einfachsten Fall hat eines der beiden eine waagerechte Polarisation, das andere schwingt senkrecht dazu. Die spezielle Quantenbeziehung solcher Photonen, auch Verschränkung genannt, ist für die Quantentechnologie entscheidend.
„Verschränkte Photonen werden oft, aber nicht zwingend, gemeinsam erzeugt – das Wichtige ist, dass sie einen gemeinsamen Zustand teilen“, erklärt Burger den einfachen Teil der Geschichte. „Was schwer zu verstehen ist: Bei der Erzeugung sind die Eigenschaften verschränkter Photonen noch unbestimmt. Sie können auch nur in einer Eigenschaft, wie der Polarisation, verschränkt sein.“ Man kann sie sich wie zwei versiegelte Umschläge vorstellen, von denen einer eine rote und der andere eine blaue Karte enthält. Öffnet man einen Umschlag, kennt man sofort den Inhalt des anderen. In der Quantenwelt würden die Farben der Karten vor dem Öffnen des Umschlags noch nicht feststehen – sie werden erst im Augenblick der Messung festgelegt. „Bei den Photonen gilt also: Wird der Zustand des einen gemessen, ist im selben Moment auch der Zustand des jeweils anderen fixiert – egal, wie weit die beiden voneinander entfernt sind“, beschreibt Burger den Kern der Verschränkung.








