Im Januar 2026 hat die britische Arzneimittelbehörde Warnhinweise in Beipackzetteln und auf Verpackungen verschiedener Medikamente verschärft. Laut der Behörde vermittelten die bisherigen Informationen „das Ausmaß der bekannten Risiken von Sucht, Abhängigkeit, Entzug und Toleranz“ nur unzureichend. Zwei der betroffenen Wirkstoffe waren Pregabalin und Gabapentin.
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von SIGRID MÄRZ und SALOME BERBLINGER
Im Januar 2026 hat die britische Arzneimittelbehörde Warnhinweise in Beipackzetteln und auf Verpackungen verschiedener Medikamente verschärft. Laut der Behörde vermittelten die bisherigen Informationen „das Ausmaß der bekannten Risiken von Sucht, Abhängigkeit, Entzug und Toleranz“ nur unzureichend. Zwei der betroffenen Wirkstoffe waren Pregabalin und Gabapentin.
Die Britische Rundfunkanstalt BBC titelte: „Pregabalin ist der am häufigsten genannte Wirkstoff bei medikamentenbedingten Todesfällen in Nordirland“. Und dem US-amerikanischen Wallstreet Journal war Gabapentin bereits im Dezember 2025 eine lange Reportage wert. Die Überschrift: „Die verborgenen Risiken des beliebtesten verschreibungspflichtigen Schmerzmittels in den USA“.
Weltweit gehören beide Wirkstoffe zu den am häufigsten verschriebenen Schmerzmitteln. Der aktuelle Arzneimittel-Atlas setzt Pregabalin und Gabapentin in Deutschland auf die Plätze 3 und 4, hinter Metamizol-Natrium (besser bekannt unter dem Handelsnamen Novalgin) und dem Opioid-Antidot-Duo Tilidin-Naloxon. Und: Vor allem für Pregabalin steigen die Verschreibungszahlen seit 20 Jahren massiv. Zählten die Krankenversicherer 2005 noch 580.000 Verordnungen, waren es 2024 mehr als zehnmal so viele. Das entspricht rund 160 Millionen Tagesdosen.
Pregabalin und Gabapentin gehören zur Wirkstoffgruppe der Gabapentinoide. Strukturell ähneln sie dem Neurotransmitter GABA (Gamma-Aminobuttersäure), binden aber nicht an dessen Rezeptoren. Stattdessen lagern sich Gabapentinoide an spannungsabhängige Kalziumkanäle auf den Nervenzellen an, was wiederum die Ausschüttung von GABA-Gegenspielern – Neurotransmitter wie Glutamat und Noradrenalin – hemmt. Damit wirken Gabapentinoide wie auch GABA selbst krampflösend, entspannend und angstlösend.
„Gabapentinoide sind Antiepileptika und wurden ursprünglich vor allem für eine bestimmte Form, fokale epileptische Anfälle, zugelassen“, sagt Tom Bschor. Der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie hat als Mitglied der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) am Leitfaden „Schädlicher Gebrauch und Abhängigkeit von Medikamenten“ mitgearbeitet. Die Publikation aus dem Jahr 2022 beleuchtet auch Gabapentinoide.
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Bschor ergänzt, dass schon kurz nach der Markteinführung die Zulassung zur Behandlung neuropathischer Schmerzen hinzugekommen sei. Die treten beispielsweise bei Diabetes auf, denn ein dauerhaft hoher Blutzuckerspiegel schädigt Nerven. Betroffene klagen über brennende Schmerzen oder quälendes Kribbeln in den Beinen. „Und Diabetes ist eine Volkskrankheit, die Zahlen steigen seit Jahren“, sagt der Psychiater.
Speziell bei Pregabalin erweiterten die Aufsichtsbehörden die Zulassung außerdem um die Behandlung generalisierter Angststörungen. Betroffene leiden aufgrund diffuser, schwer kontrollierbarer Ängste unter einer massiven Beeinträchtigung ihres Alltags. „Man kann sich vorstellen, dass die angstlösende Wirkung von Pregabalin auch für andere Angsterkrankungen genutzt wird“, ist Bschor sicher und meint damit zum Beispiel Panikattacken sowie Phobien, bei denen Menschen sich vor bestimmten Orten, Dingen oder Situationen fürchten.
Off-Label-Use erklärt Anstieg zum Teil
Wenn Medikamente abseits der eigentlichen Zulassung eingesetzt werden, sprechen Fachleute von einem Off-Label-Use. Die AkdÄ sieht in der Anwendung von Gabapentinoiden bei nicht neuropathischen Schmerzen und psychiatrischen Störungen – wie bipolaren Störungen – eine Erklärung für den Anstieg der Verschreibungen. Laut einer Analyse von Krankenversichertendaten aus dem Jahr 2019 wurden nur bei gut einem Viertel der Personen, die Gabapentinoide erhielten, neuropathische Schmerzen diagnostiziert. Bei knapp zwölf Prozent der Verschreibungen lag gar keine zugelassene Diagnose vor.
Pregabalin wirkt schneller als Gabapentin, was diesen jüngeren der beiden Wirkstoffe interessanter für Anwendungen macht, bei denen eine schnelle Linderung von Beschwerden erwünscht ist. Und auch hier spielen erneut Off-Label-Anwendungen eine Rolle. „Für Angststörungen sind zum Beispiel selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer zugelassen“, sagt Sven Speerforck, stellvertretender Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Leipzig. Diese Wirkstoffe sind vor allem als Antidepressiva bekannt. Ihre angstlösende Wirkung setzt allerdings mitunter erst einige Wochen nach dem Beginn einer regelmäßigen Einnahme ein. Ärzte greifen deshalb zu Alternativen, die schnellere Erfolge versprechen, weiß Speerforck, „vor allem bei Patienten, bei denen die Angst so allumfassend ist, dass sie kaum handlungsfähig sind.“ In solchen Fällen sei Pregabalin ein wichtiges Medikament.
Natürlich kenne man die Kehrseite der Gabapentinoide, sagt Speerforck. Wichtig sei deshalb in jedem Fall eine umfassende Aufklärung über mögliche Nebenwirkungen und das Abhängigkeitsrisiko. „Man muss die Leute aufmerksam begleiten und einschreiten, wenn sie zum Beispiel selbstständig die Dosis steigern“, sagt er. Denn Gewöhnungseffekte gebe es. „Wir stehen diesen Medikamenten nicht mehr so unkritisch gegenüber wie vielleicht noch vor zehn Jahren.“
Therapie oder Partyrausch?
Dass vor allem Pregabalin in den vergangenen Jahren als suchtgefährdend – und im Zusammenhang mit Drogenmissbrauch – auffiel, liegt an der unterschiedlichen Pharmakokinetik der beiden Wirkstoffe: Gabapentin wird über einen Transporter im Dünndarm aufgenommen, der bereits bei niedrigen Dosen gesättigt ist. Wenn man mehr Wirkstoff zu sich nimmt, erreicht er also nicht die Blutbahn und das Gehirn, sondern wird einfach wieder über die Nieren ausgeschieden. Anders bei Pregabalin: Die Substanz erreicht das Blut über konzentrationsabhängige Aminosäuretransporter, und der Serumspiegel steigt mit der zugeführten Dosis. Hohe Dosen von Pregabalin führen zu einem Rauschzustand.
Das wissen auch die Drug Scouts, ein Projekt der Drogenhilfe Leipzig. Sozialarbeiter und Ehrenamtliche informieren auf Partys und Festivals, wie der Konsum von psychoaktiven Substanzen risikoärmer erfolgen kann. Pregabalin ist seltener ein Thema, aber dennoch kennen einige Menschen in der Partyszene auch diese Substanz. „Konsumenten berichteten von einer beruhigenden, dämpfenden Wirkung bis hin zur Euphorie“, sagt Leon Jäger, einer der Projektleiter der Drug Scouts.
Dafür braucht es aber mehr als die empfohlene therapeutische Tagesdosis von maximal 600 Milligramm Pregabalin. „Wenn wir über einen sogenannten Freizeitdrogenkonsum sprechen, liegen die Dosen teilweise mehr als zehnfach über der empfohlenen Maximaldosis“, sagt Jäger. Mit Freizeitgebrauch meint der Sozialpädagoge den Drogenkonsum auf Partys. Die Gründe dafür seien unterschiedlich: „Beispielsweise, um nach einer stressigen Woche abzuschalten, lange beim Tanzen durchhalten zu können oder einfacher mit Menschen in Kontakt zu kommen.“ Am Montag geht es dann wieder zur Arbeit, zur Schule, in den Ausbildungsbetrieb. Die meisten Menschen sind nicht psychisch oder körperlich abhängig von den Substanzen.
Aber wie kommen Partygänger an so viele Tabletten? Das sei nicht so einfach zu beantworten, die Bezugsquellen seien häufig unbekannt, sagt Jäger. Denkbar sei auch für Pregabalin der illegale Markt, dort würden unterschiedlichste Substanzen angeboten.
Risiken und Nebenwirkungen
Dosen von 6.000 Milligramm Pregabalin und mehr bergen schon allein unkontrollierbare Risiken einer Vergiftung mit Symptomen wie Verwirrtheit, Übelkeit und Erbrechen. Noch gefährlicher wird es, wenn Personen verschiedene Substanzen mischen: Alkohol, Aufputschmittel wie Ecstasy, Benzodiazepine, Opioide. Wie genau welche Substanzen wechselwirken und wie sich ihre Wirkungen eventuell gegenseitig verstärken, ist für Laien nicht kalkulierbar. Es drohen Halluzinationen, Herzrhythmusstörungen, Krampfanfälle – und im schlimmsten Fall Atemstillstand und Tod.
Polytoxikomanie lautet der Fachbegriff für den riskanten Mischkonsum verschiedener Substanzen. Und Pregabalin wie auch Gabapentin spielen dabei eine Rolle. Abhängige setzen Pregabalin sogar gezielt ein, um beispielsweise die Wirkung von anderen Drogen zu verstärken. Denn das Gabapentinoid ist auch auf dem Schwarzmarkt einfacher und günstiger zu kaufen als beispielsweise das synthetische Opioid Fentanyl.
Fachleute sehen darin den Grund, warum Gabapentinoide immer wieder im Zusammenhang mit Todesfällen auffallen. Verschiedene Untersuchungen, etwa aus rechtsmedizinischen Instituten und Gefängnissen, fanden bei Drogentoten in Deutschland seit den 2010er-Jahren vermehrt Pregabalin als Beikonsum.
Eine Auswertung medikamentenbedingter Todesfälle in England zwischen 2004 und 2020 zeigte: Neun von zehn Gestorbenen hatten neben Gabapentinoiden auch Opioide im Blut. Nur bei zwei der insgesamt gezählten 3.051 Todesfälle galten Gabapentin und Pregabalin als ursächlich für den Tod. US-amerikanische Giftnotrufzentralen dokumentierten zwischen 2012 und 2022 rund 124.000 Meldungen im Zusammenhang mit Gabapentinoiden. Ein Fünftel der Betroffenen kämpfte mit „schwerwiegenden medizinischen Folgen“, 96 Personen starben.
Wie sich Vergiftungsmeldungen mit Pregabalin in Deutschland entwickeln, lässt ein Blick auf Daten des Giftnotrufs der Berliner Charité erahnen: Im Jahr 2013 zählte die Klinik 16 Meldungen, 2025 waren es 421. In sieben von zehn Fällen nahmen die Personen Pregabalin absichtlich, um sich zu berauschen oder gar um sich selbst zu schaden. Knapp die Hälfte der Vergiftungsmeldungen betrafen Pregabalin allein, also ohne dass weitere Substanzen eingenommen wurden.
Aber selbst, wenn Gabapentinoide therapiekonform eingenommen werden, sprich in korrekter Dosis und unter kontrollierten Bedingungen, gibt es Risiken. Bekannte Nebenwirkungen der Gabapentinoide sind Schläfrigkeit und Schwindel, bei Pregabalin zudem Kopfschmerzen.
Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde zählte zwischen 2004 und 2023 mehr als 174.000 sogenannte unerwünschte Ereignisse, also Nebenwirkungen der Gabapentinoid-Einnahme. Knapp ein Viertel der Meldungen umfasste psychiatrische Störungen wie Angstzustände und Suizidgedanken. US-amerikanische Forschende bringen Gabapentin außerdem in Zusammenhang mit einem erhöhten Risiko für kognitiven Verfall und Demenz. Die Studie dazu erschien im Oktober 2025 im Fachmagazin Regional Anesthesia & Pain Medicine.
Auch die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) sammelt in der Datenbank EudraVigilance Meldungen zu Nebenwirkungen. Bild der Wissenschaft hat Anfang Januar 2026 entsprechende Daten für Deutschland angefragt. Bis Redaktionsschluss schaffte es die Behörde nicht, zu liefern. Über das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) erhielten wir Auszüge der Gesamtdaten: Seit der Zulassung von Gabapentin 1994 zählte die EMA 824 Meldungen schwerwiegender Nebenwirkungen im Zusammenhang mit dem Wirkstoff, seit der Zulassung 2004 waren es bei Pregabalin 3.028. Schwerwiegende Nebenwirkungen beschreiben Fälle, die einen Klinikaufenthalt nötig machen, zu einer bleibenden Beeinträchtigung oder zu lebensbedrohlichen Zuständen bis hin zum Tod führen. Bei Pregabalin waren die häufigsten mit knapp einem Fünftel der gemeldeten Fälle Nebenwirkungen, die unter Störungen des Nervensystems zusammengefasst sind. Zwischen 2004 und 2024 starben 116 Menschen unter der Behandlung mit Pregabalin, für Gabapentin zählten die Behörden seit der Zulassung 51 Todesfälle.
Jedoch: Die Meldungen bilden nur sogenannte Verdachtsfälle ab, keine kausalen Zusammenhänge. So beschreibt es auch ein BfArM-Sprecher: „Die Angabe ‚Todesfälle‘ bedeutet nicht zwingend, dass eine oder mehrere der in einer Meldung beschriebenen Nebenwirkungen unmittelbar ursächlich für den tödlichen Verlauf waren.“ Vielmehr sei dokumentiert, dass in diesen Fällen die Patientin oder der Patient verstorben ist. „Hierzu können auch andere Ursachen ganz oder teilweise beigetragen haben.“
Heißt also, wie auch bei den Meldungen zum Missbrauch der Gabapentinoide: Möglicherweise waren Pregabalin und Gabapentin nicht die einzigen Substanzen, die die Menschen nahmen; möglicherweise litten sie unter Erkrankungen, die als eigentliche Ursache für den Tod gelten. Die Daten können dies nicht darstellen. Und dementsprechend bleiben viele Fragen offen. Zu viele – zumindest einige Länder sehen das so.
Schutz vor Missbrauch
Frankreich etwa verschärfte in den vergangenen Jahren die Verschreibungsregeln für Gabapentinoide, Ärzte nutzen seit 2021 fälschungssichere Rezepte. Patienten können ihre Pregabalin-Verschreibung nur noch in Monatsdosen einlösen und maximal fünfmal verlängern. Großbritannien wiederum stufte Gabapentin und Pregabalin 2019 als kontrollierte Substanzen der Klasse C ein – und damit als Drogen mit potenziellem Missbrauch. Dort stehen sie in einer Reihe mit Lachgas, anabolen Steroiden und Diazepam.
Wäre mit all diesem Wissen auch in Deutschland eine Einstufung der Gabapentinoide nach dem Betäubungsmittelgesetz (BtMG) ratsam? Dabei gelten zum Schutz vor Medikamentenmissbrauch strengere Regeln bei der Verschreibung: Dank der fortlaufenden Nummer kann ein Rezept etwa zweifelsfrei dem ausstellenden Arzt zugeordnet werden. BtM-Rezepte sind außerdem nur acht Tage lang gültig.
Sven Speerforck berichtet aus der Praxis. Die Klinik für Psychiatrie in Leipzig behandelt rund 1.000 Patienten pro Jahr stationär, 200 davon seien Suchterkrankte. „Vielleicht die Hälfte oder ein Drittel von diesen Patienten konsumiert neben Opioiden auch Pregabalin. Nicht mal ein Fall pro Jahr ist dabei, bei dem es ausschließlich um Pregabalin geht.“ Solche Patienten sehe er wirklich sehr selten. Häufiger hingegen solche, die mit multiplen Abhängigkeiten kämpfen. Auch Tom Bschor beschwichtigt: „Nach jetzigem Kenntnisstand bleiben 98 Prozent der Patienten bei der verordneten Dosis“, sagt er. Missbrauch und Sucht träten in aller Regel bei Menschen auf, die weitere Abhängigkeiten haben. „Eine Diabetes-Patientin kommt nicht auf die Idee: Heute probiere ich einfach mal die drei- oder vierfache Dosis.“
Mit Blick auf das Risiko einer Abhängigkeit gebe es dringlichere Probleme, etwa bei den Benzodiazepinen, ist Bschor überzeugt. Erste Benzodiazepine kamen in den 1960er-Jahren auf den Markt. Mehr als 20 Jahre erlebten die Psychopharmaka einen wahren Hype. Dann gerieten sie wegen ihres hohen Suchtpotenzials in Verruf. Doch auch noch im Jahr 2015 galten bis zu 1,6 Millionen Personen als benzodiazepinabhängig. Bekannte Benzodiazepine sind beispielsweise Diazepam (Valium) und Lorazepam (Tavor). Heute unterliegen alle Benzodiazepine in Deutschland theoretisch dem Betäubungsmittelgesetz. Allerdings sind sie in handelsüblichen Dosierungen praktisch davon ausgenommen. So darf zum Beispiel Lorazepam mit bis zu 2,5 Milligramm pro Tablette auch über ein „normales“ Rezept verschrieben werden. Es dient als Beruhigungsmittel bei akuten Panikattacken.
Die Verschreibungszahlen der Benzodiazepine fallen zwar ebenso kontinuierlich, wie die der Gabapentinoide steigen, in der Summe stiegen die Verordnungen beider schmerzstillenden Wirkstoffgruppen seit 2005 allerdings um fast ein Viertel. Das Risiko einer Sucht ist bei den Benzodiazepinen höher, deshalb fallen die rückläufigen Zahlen der Verschreibungen dieses Medikaments dennoch ins Gewicht. Hier würde eine verschärfte BtMG-Pflicht laut Bschor mehr bewirken als bei den Gabapentinoiden.
Die Fachleute sind sich einig: Bei korrekter Dosierung und kontrollierter Einnahme seien Gabapentinoide sicher. Und sie sehen bisher auch keine vergleichbare Situation wie in den USA, in denen seit vielen Jahren die sogenannte Opioidkrise tobt. Bis zu 80.000 Menschen sterben jährlich an Opioid-Überdosierungen. Für Deutschland – mit rund einem Viertel der Bevölkerungszahl der USA – zählte der Bundesdrogenbeauftragte im Jahr 2024 insgesamt 2.137 drogenbedingte Todesfälle, für alle Substanzen zusammen. Die Zahlen steigen zwar seit gut zehn Jahren, von einer Epidemie sei man dennoch weit entfernt, sagen die Mediziner.
Damit das auch so bleibt, empfehlen die Fachleute, Pregabalin und Gabapentin wirklich nur zu verschreiben, wenn es dafür einen medizinischen Grund gibt. Wichtig sei eine ausführliche Befragung der Person, ob es in der Vergangenheit Erfahrungen mit Beruhigungsmitteln oder Drogenmissbrauch gab. Ärzte müssten ihre Patienten zudem aufmerksam begleiten, um Anzeichen einer Gewöhnung zu erkennen, zum Beispiel wenn diese selbstständig die Dosis erhöhen, wiederholt Rezepte anfordern, verschiedene Ärzte aufsuchen oder über ständig neue Symptome klagen, für die es keine medizinische Diagnose gibt.
Außerdem könne es manchmal helfen statt des scheinbar unkomplizierten, schnelleren einen längeren, aber sicheren Weg zu wählen. Vor allem bei Angststörungen kann eine Verhaltenstherapie Erfolge bringen, wenn nötig mit Unterstützung durch Antidepressiva, die weniger suchtgefährdend sind. ■
Pregabalin und Gabapentin gehören weltweit zu den am häufigsten verschriebenen Schmerzmitteln. Insbesondere für Pregabalin nehmen die Verschreibungen auch in Deutschland seit 20 Jahren massiv zu.
Während die Anzahl der Verschreibungen von Benzodiazepinen kontinuierlich sinkt, steigt die der Gabapentinoide. In der Summe wurden 2024 mehr der Medikamente als noch 2005 verschrieben.
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