Erzählt wird nicht nur der bekannte Aufstieg der Herren von Hauteville, der zur hegemonialen Stellung Rogers I., des Grafen von Sizilien und Kalabrien, und dann 1130 zur Königsherrschaft Rogers II. führte. Broekmann erklärt an verschiedenen Szenen der Inszenierung von Herrschaft eindringlich, welche neue Rang- und Herrschaftsordnung dabei entstand. Daß sie gegen eine heterogene Adelsschicht durchgesetzt werden mußte, führte zu einer Herrschaftspraxis mit eigenen politischen Spielregeln. Deren Markenzeichen war der rücksichtslos strafende Herrscher – was Zeitgenossen im normannischen Reich als typische „Gewohnheit des Landes“, diejenigen in anderen Teilen Europas als Zeichen der Tyrannis wahrgenommen haben. Broekmann erklärt diesen Prozeß ebenso minutiös wie überzeugend. Seine Thesen bieten außerdem ein großes Erklärungspotential für die staufische Herrschaft im Süden, die mit dem Erwerb des Normannenreiches durch Heinrich VI. 1194 begann und unter seinem Sohn Friedrich II. ihren Höhepunkt fand. Die gut belegten Gewaltexzesse beider Herrscher haben Historiker schon immer in Erklärungsnöte gebracht – nun werden sie aus der Perspektive bereits etablierter politischer Traditionen erklärbar. Diese wirkten noch in der beispiellosen Schroffheit nach, mit der Friedrich II. seinen Sohn Heinrich (VII.) erst in die Enge und dann in einen Aufstand trieb. Der Aufstand fand 1235 sein unversöhnliches Ende in Worms mit der Absetzung Heinrichs als deutscher König. Der Konflikt eskalierte, weil Heinrich die Ehre (honor) seines Königtums gegen Maßnahmen seines Vaters verteidigte – eines Vaters und Kaisers, der zwar mit der unnachsichtigen Niederschlagung sizilischer Adelsrebellionen vertraut war, nicht aber mit den politischen „Spielregeln“ in seinem deutschen Reichsteil. Ein spannendes Buch!
Rezension: Görich, Knut




