Astronomen haben in der Nähe eines 450 Lichtjahre entfernten Sterns einen extrem ungewöhnlichen Planeten entdeckt: Er ist mehr als zweieinhalb mal so groß wie der Gasriese Jupiter und damit der größte bislang bekannte Planet. Gleichzeitig ist seine Masse jedoch nicht einmal halb so groß wie die des Jupiters. Damit ist die Dichte des HAT-P-1 getauften Planeten viermal kleiner als die von Wasser und sogar geringer als die von Kork. Warum der Himmelskörper derartig stark aufgebläht ist, können die Wissenschaftler allerdings nicht sagen.
Entdeckt haben die Astronomen den Planeten mithilfe von sechs automatischen zusammengeschalteten Teleskopen, dem so genannten HAT-Netzwerk, als er vor seinem Mutterstern vorbeizog. Dabei verminderte HAT-P-1 für fast zwei Stunden die Helligkeit des Sterns um etwa 1,5 Prozent, ein Wert, aus dem die Wissenschaftler die Größe des Planeten berechnen konnten. Seine Masse bestimmten die Astronomen zusätzlich aus dem Einfluss, den die Gravitation des Planeten auf die Bewegung seines Muttersterns hat.
Das ungewöhnliche Verhältnis von Größe und Masse bei HAT-P-1 sei zum Teil auf die extreme Nähe des Planeten zu seinem Mutterstern zurückzuführen, berichten die Forscher. HAT-P-1 gehört zu einem Doppelsternsystem namens ADS 16402 im Sternbild Eidechse und umkreist den einen der beiden Sterne in einem Abstand, der nur ein zwanzigstel der Strecke zwischen Erde und Sonne beträgt. Die Hitze des Sterns sorge dafür, dass sich der Planet aufblähe, die so Wissenschaftler. Allerdings kann diese Energie die ungewöhnliche Größe des Planeten nicht vollständig erklären. Es muss daher nach Ansicht der Astronomen entweder noch eine Wärmequelle im Inneren des Gasballes geben oder der Planet wird zusätzlich von außen mit weiterer Energie versorgt.
HAT-P-1 steht mit seiner ungewöhnlich niedrigen Dichte nicht alleine da: Bereits 1999 wurde mit HD 209458b ein Planet außerhalb des Sonnensystems entdeckt, der um zwanzig Prozent größer und damit auch leichter war als die theoretischen Berechnungen vorhergesagt hatten. Es könne daher sein, dass es sich bei den geschwollenen Planeten um eine völlig neue Klasse von Himmelskörpern handelt, glaubt Studienleiter Gaspar Bakos. Da von den bislang lediglich elf über die Transitmethode entdeckten Planeten schon zwei die ungewöhnlich niedrige Dichte aufweisen, könnte es sich dabei sogar um ein sehr verbreitetes Phänomen handeln.
Mitteilung des Harvard-Smithsonian Center für Astrophysik, Cambridge (USA) ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel





