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Riesen-Dinosaurier: Erster Fund eines Diplodocus in Europa
Erde & Umwelt

Riesen-Dinosaurier: Erster Fund eines Diplodocus in Europa

Ein Fossilfund in Spanien belegt erstmals, dass der ikonische Langhalssaurier Diplodocus auch in Europa vorkam. · Foto: © Carmelo López

Spektakulärer Fund: Paläontologen haben erstmals ein Fossil des riesigen Langhalssauriers Diplodocus in Europa entdeckt. In Spanien stießen sie auf die 150 Millionen Jahre alten Schwanzwirbelknochen eines rund 25 Meter langen Exemplars dieser pflanzenfressenden Giganten. Der Fund dieses europäischen Diplodocus belegt erstmals, dass diese Sauropoden im Jurazeitalter nicht nur in Nordamerika vorkamen, sondern über eine Landbrücke auch nach Europa gelangten.
Autor
Nadja Podbregar
15. September 2026
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Erde & Umwelt

Die Sauropoden waren die größten Landtiere der Erde. Mit bis zu 40 Meter Länge und 70 Tonnen Gewicht waren die riesigen Pflanzenfresser selbst für Raubsaurier keine leichte Beute. Typisch für sie sind ihr langer Hals und Schwanz sowie die stämmigen, säulenartigen Beine. Zu den bekanntesten Vertretern dieser Langhals-Dinosaurier gehört neben Brachiosaurus und den Titanosauriern der vor rund 155 bis 143 Millionen Jahren lebende Diplodocus. Schon 1878 wurden erste Fossilien dieses ikonischen Sauropoden im Westen der USA entdeckt.

Doch bisher legten die Fossilfunde nahe, dass der Diplodocus nur in Nordamerika vorkam. Zwar wurden in Europa und anderswo bereits Verwandte dieser Gattung aus anderen Gruppen der Diplodociden gefunden, nicht aber Relikte des Diplodocus.

14 Schwanzwirbel eines Diplodocus

Das hat sich nun geändert: Ein Fund in der ostspanischen Provinz Teruel belegt nun erstmals, dass der ikonische Diplodocus auch in Europa vorkam. Entdeckt hat dies ein Team des Paläontologischen Museums von Aragon um Sergio Sánchez Fenollosa bei Ausgrabungen in der Gemeinde El Castellar. Dort tritt eine Gesteinsformation zutage, die vor rund 150 Millionen Jahren an der Meeresküste lag. In ihr fanden die Paläontologen 14 große, ungewöhnlich gut erhaltene Wirbelknochen eines Sauropoden.

„Schon bei der anfänglichen Untersuchung der Knochen fielen uns starke Ähnlichkeiten mit Sauropoden aus der Gruppe der Diplodocinen auf“, berichtet Sánchez Fenollosa. „Bei genauerer Analyse entdeckten wir dann Merkmale, die in dieser Kombination für Diplodocus-Arten typisch sind.“ Dazu gehören unter anderem große Luftkammern in den Wirbelknochen, tiefe Längskerben und gegabelte Knochenbögen an der Unterseite der Schwanzwirbel und langgestreckte Wirbelkörper ohne seitliche Knochenkämme.

Schwanzwirbel

Schwanzwirbel des in Spanien entdeckten Diplodocus. — © Sergio Sánchez Fenollosa / Journal of Vertebrate Paleontology

Erster Diplodocus-Fund außerhalb Nordamerikas

„Auch unsere evolutionsbiologischen Analysen wiesen in dieselbe Richtung: Wir hatten es mit einem Diplodocus zu tun“, berichtet Sánchez Fenollosa. Bei dem in Spanien gefundenen Fossil könnte es sich demnach um eine noch unbekannte, rund 25 Meter lange Schwesterart des nordamerikanischen Diplodocus hallorum handeln. Eine genauere Beschreibung der neu entdeckten Art ist jedoch noch nicht möglich, weil einige dafür wichtige Skelettteile fehlen, wie das Team erklärt.

Damit ist die Sensation perfekt: Zum ersten Mal haben Paläontologen einen Diplodocus außerhalb Nordamerikas entdeckt. „Gleichzeitig ist unser Exemplar eines der am vollständigsten erhaltenen Exemplare eines Diplodociden in Europa“, berichtet das Team. Der Fund dieses Sauropoden in Spanien belegt, dass die Gattung Diplodocus im späten Jura weiter verbreitet gewesen sein muss als zuvor angenommen: Sie kam auf mehr als einem Kontinent vor.

Landbrücke zwischen den Kontinenten

Und noch etwas zeigt der Fund: Vor 150 Millionen Jahren muss es zumindest vorübergehend eine Landverbindung zwischen Nordamerika und Europa gegeben haben. Zu dieser Zeit begann der Superkontinent Pangäa zu zerfallen und zwischen Nordamerika und Europa riss allmählich der Atlantik auf. Dennoch gab es damals offensichtlich noch Zeiten, in denen Tiere von einer Seite dieses Proto-Ozeans auf die andere wechseln konnten.

Über diese Landbrücken gelangten dann auch die riesigen Sauropoden bis auf unseren Kontinent. „Unsere Entdeckung ist einer der bisher stärksten paläontologischen Belege dafür, dass es im späten Jura zwischen den beiden Kontinenten einen Faunenaustausch und Phasen der Einwanderung gab“, erklärt Sánchez Fenollosa.

Ostspanien als Hotspot der Dinosaurier-Vielfalt

Der neu entdeckte Diplodocus bestätigt zudem, dass der Osten des heutigen Spaniens vor rund 150 Millionen Jahren eine große Vielfalt an Dinosauriern beherbergte. Denn zuvor haben Paläontologen in Teruel auch schon die Fossilien von anderen Sauropoden sowie von Stegosauriern, Raubdinosauriern und anderen Dinos entdeckt. „Diese Entdeckung erlaubt es uns damit auch, die iberischen Ökosysteme des Mesozoikums und die Sauropoden-Vielfalt des europäischen Jura besser zu verstehen“, sagt Sánchez Fenollosa.

Quelle: Sergio Sánchez Fenollosa (Museo Aragonés de Paleontología, Teruel) et al., Journal of Vertebrate Paleontology, 2026; doi: 10.1080/02724634.2026.2718423

DinosaurierDiplodocusLanghalsdinosaurierPaläontologieSauropoden
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