von FRANK FRICK
Um sein Leben zu verlängern, folgt Bryan Johnson einem strengen Diät-, Sport- und Schlafprogramm, nimmt täglich mehr als 100 Tabletten ein und überwacht kontinuierlich seine Körperdaten, einschließlich der Dauer nächtlicher Erektionen. Eine Zeit lang ließ er sich sogar Blutplasma seines Sohnes übertragen.
Johnson wurde 2013 durch den Verkauf seines Unternehmens Braintree Venmo an den Zahlungsdienstleister PayPal zum Multimillionär. Vermögender und als Trump-Unterstützer noch einflussreicher ist PayPal-Mitgründer Peter Thiel. Der Milliardär will den Tod überwinden und hat unter anderem in Unity Biotechnology investiert. Das Unternehmen hatte vor, Medikamente gegen seneszente Zellen zu entwickeln, die sich im Alter ansammeln und entzündungsfördernd sind. Laut Datendienst Pitchbook sammelten Longevity-Start-ups 2024 weltweit fast 300 Millionen US-Dollar Risikokapital ein.
Longevity – ein Megatrend? Zumindest erwecken Medienberichte und Beiträge in den sozialen Medien den Anschein, es könnte in naher Zukunft gelingen, das Altern zu stoppen. Doch bei näherem Hinsehen zeigen sich einige Schwächen in der Longevity-Erzählung: Unity Biotechnology beispielsweise machte jahrelang riesige Verluste, konnte kein marktreifes Medikament entwickeln und existiert inzwischen nicht mehr. Und die Investitionen in Start-ups waren 2021 rund dreimal so hoch wie 2024.
Auch die Social-Media-Aktivitäten boomen möglicherweise nicht so stark wie oft behauptet. Tatsache ist: Verlässliche Statistiken, die eine Longevity-Bewegung in den sozialen Medien belegen, sind Mangelware. Das liegt auch daran, dass Longevity für vieles steht – von gesunden Gewohnheiten über die technische Überwachung der Körperfunktionen bis zur extremen Selbstoptimierung, aber auch für bestimmte Nahrungsergänzungsmittel und Medikamente. Der gemeinsame Nenner: Es geht nicht nur um ein langes Leben, sondern um ein langes Leben bei guter Gesundheit. Denn Langlebigkeit ist nur erstrebenswert, wenn sie das Jungsein verlängert und nicht die Pflegebedürftigkeit im Alter.
Krankheiten vorbeugen
Konzentriert man sich auf die Medizin, so ist mit dem Begriff Longevity ein echter Wandel verbunden. Ging es früher um die Behandlung von Krankheiten wie Demenz oder Schlaganfälle, die im Alter besonders häufig sind, beschäftigt sich die Langlebigkeitsforschung heute verstärkt mit den biologischen Mechanismen des Alterns. „Ein zentrales Ziel muss es sein, Krankheiten frühzeitig vorzubeugen und nicht erst später eine Vielzahl unterschiedlicher Erkrankungen behandeln zu müssen“, schreibt das Autorenteam eines Diskussionspapiers der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina.





