Die Technologie dazu existiert schon seit Langem. Unter normalem Atmosphärendruck nimmt Wasserstoffgas zu viel Platz ein, um sich als Treibstoff zu eignen. Man kann es jedoch unter Druck setzen und damit stark komprimieren. Bei etwa 700-fachem Atmosphärendruck kommt Wasserstoff auf eine Energiedichte von etwa 1,5 kWh pro Liter. Das ist ungefähr ein Neuntel der Energiedichte von Benzin – gar nicht schlecht. Um Energie aus Wasserstoff zu gewinnen, führt man Wasserstoff und Sauerstoff in Brennzellen unter kontrollierten Bedingungen zusammen. Die Reaktion wird elektrisch ausgelöst. Die gewonnene Energie kann zum Antrieb eines Fahrzeugs benutzt werden oder auch wieder in elektrische Energie umgewandelt und in ein Stromnetz eingespeist werden.
Die Autofirmen Hyundai und Toyota verkaufen bereits Wagen mit Wasserstoffantrieb. BMW, Ford und mehrere andere Firmen arbeiten daran. Die Regierungen einiger Länder, zum Beispiel von Schottland und auch Deutschland, untersuchen derzeit Möglichkeiten, den Personennahverkehr in Zukunft mit Wasserstoff zu betreiben. China, Japan, die USA und auch die EU haben in den letzten Jahren Milliarden Euro in den Ausbau der für eine Wasserstoffökonomie benötigten Infrastruktur investiert.
Das klingt toll, aber woher bekommen wir den ganzen Wasserstoff? Wasserstoff ist das häufigste Element im Universum, drei Viertel der normalen Materie besteht daraus. Doch auf der Erde ist Wasserstoff in reiner Form selten. Meistens ist er gebunden wie in Wasser – oder auch in Methan, das die chemische Formel CH4 hat und der Hauptbestandteil von Erdgas ist. Wie umweltfreundlich die Energie aus Wasserstoff ist, hängt daher stark davon ab, woher man ihn bekommt.
Weiß, grau, blau oder grün?
Um die ökologischen Konsequenzen von Wasserstoff-Kraftstoff zu klassifizieren, benutzen Wissenschaftler eine Farbskala. Es geht dabei nicht um die tatsächliche Farbe von Wasserstoff (er ist farblos), die Farbangabe ist nur eine kurze Zusammenfassung der Herstellungsmethode. In dieser Klassifizierung ist in der Natur auftretender, reiner Wasserstoff weiß. Wasserstoff, der mithilfe von Steinkohle oder Braunkohle aus Wasser gewonnen wird, ist schwarz beziehungsweise braun. Wenn er hergestellt wird, entsteht sowohl Kohlendioxid als auch Methan – beide sind Treibhausgase. Grauer Wasserstoff wird aus Methan und Wasser gewonnen. Auch dabei entsteht Kohlendioxid, und in der Regel entwischt etwas Methan.
Nach Angaben des World Energy Council wurden 2019 über 95 Prozent des weltweit produzierten Wasserstoffs auf einem dieser Wege aus fossilen Brennstoffen gewonnen. Dabei sind pro Jahr etwa 830 Million Tonnen Kohlendioxid entstanden, das sind zwei Prozent der globalen Emission und ungefähr genauso viel, wie durch Flugverkehr entsteht.





