Frühjahr 1731. Kronprinz Friedrich hadert mit seinem Schicksal. Seit dem 5. September 1730 sitzt er nach seiner missglückten Flucht in Küstrin. Zuerst eingesperrt in der Festung, nun in einem kleinen Haus in der Stadt. Er hat erleben müssen, wie sein Freund Katte hingerichtet wurde, lange fürchtet er auch um sein eigenes Leben. Nun soll er in der Kriegs- und Domänenkammer arbeiten wie ein einfacher Beamter. Seines „blauen Rocks“, der Uniform des Offiziers, hält ihn der Vater nach der – wie er es sieht – feigen Desertion nicht mehr für würdig. Auch wenn die Vorschriften des Königs eher lasch gehandhabt werden und der Kronprinz mehr Freiheiten hat, als dem Vater lieb wäre, ändert dies nichts an der völlig unbefriedigenden Situation. Quälende Langeweile überfällt Friedrich und seinen Miniaturhofstaat in der neumärkischen Provinz.
Vor diesem Hintergrund mag verständlich sein, dass sich Friedrich in eine andere Zeit träumte, eine Zeit, in der er König sein würde. Und so schrieb er eine Art Regierungsprogramm, ungeachtet dessen, dass ihm sein Vater jegliche Beschäftigung mit der großen Politik ausdrücklich verboten hatte. Darin geriet der 19-jährige Kronprinz zuerst einmal ins Schwa‧dronieren: „Ich schreite immer von Land zu Land, von Eroberung zu Eroberung, indem ich mir wie Alexander immer neue Welten zur Eroberung vornehme.“ Darin steckte viel jugendliche Schwärmerei. Aber nicht nur. Denn nüchtern analysierte er auch die geographische Lage seines künftigen Königreichs: „Da die preußischen Länder so zerschnitten und getrennt sind, halte ich es für die notwendige Maßnahme, sie einander anzunähern oder die getrennten Teile zu sammeln, die natürlicherweise zu den Teilen gehören, die wir besitzen.“ Sein Auge warf Friedrich auf das damals noch polnische Westpreußen, das schwedische Vorpommern, Mecklenburg sowie Jülich und Berg im Westen. Die Vergrößerung des eigenen Territoriums anzustreben gehörte im Zeitalter des Absolutismus zwar zur Staatsräson, doch Friedrich gab seinen Eroberungsphantasien freien Lauf. Und zwar „rein politisch, ohne mich auf Rechtsgründe zu berufen, um nicht zu viele Abschweifungen zu machen bei jeder Sache, bei der jeweils Gründe und Rechte aufgeführt werden müssten, die das Haus Brandenburg dabei haben kann“. Friedrich sah, wie wenig sein Vater auf diesem Weg erreichte. Doch trieb ihn darüber hinaus noch etwas anderes. Denn Friedrichs größte Leidenschaft, stellte sein Freund Ulrich Friedrich von Suhm nüchtern fest, sei stets der Ruhm gewesen.
Der Aussöhnung Friedrichs mit seinem Vater 1732 folgte nicht die dauerhafte Rückkehr nach Berlin. Als Regimentskommandeur in Neuruppin sollte er sich im täglichen Dienst bewähren. In dieser Zeit, 1734, schrieb Friedrich eine „Ode auf den Ruhm“. Darin schreibt er: „Ein Gott hat sich meiner bemächtigt. Ich fühle ein himmlisches Brennen. O Ruhm! Deine göttliche Flamme versengt mich bis in den Grund des Herzens. Erfüllt von deinem stärkenden Rausch, will ich zu den süßen Klängen meiner Leier deine Segnungen preisen. Du krönst den wahren Verdienst, und dein göttlicher Lorbeer regt die Menschen zu allen ihren Erfolgen an.“




