In chronologischer Reihenfolge porträtiert Gerste fast alle amerikanischen Präsidenten. So unterschiedlich wie die Machtinhaber selbst, so variierten auch deren Wohnsitze von großen Herrenhäusern bis zu einfachen Holzhütten. Neben den Wohnhäusern werden auch hinterlassene Präsidentenbibliotheken und Museen beschrieben. In kleinen Infokästen findet der Leser Angaben zu Adresse, Öffnungszeiten und Internetadresse der Gebäude, sodass das Buch auch als erweiterter Reiseführer genutzt werden kann.
Die Porträts der Präsidenten, sowie Fotografien der Außenansichten bzw. der Wohn- und Arbeitszimmer machen es dem Leser leicht, sich in das Geschehen einzufinden. Die Biografie der Präsidenten erzählt Gerste anhand von Anekdoten, in denen die Gebäude oder Gegenstände, die man vor Ort sehen kann, eine wichtige Rolle spielen. Beispielsweise wurde William Henry Harrison die in seinem Geburtszimmer geschriebene Antrittsrede zum Verhängnis. Der bei Amtsantritt bereits 68 Jahre alte und damit zweitälteste Präsident in der amerikanischen Geschichte formulierte eine zu lange Rede, die er bei strömendem Regen halten musste. Einen Monat später erlag er einer Lungenentzündung.
Als Experte für US-amerikanische Geschichte beschreibt Gerste den historischen Verlauf als kontinuierlichen, wenn auch beschwerlichen Aufstieg des Präsidentenamts zu Glanz und Weltgeltung. Demensprechend wird er an manchen Stellen sehr pathetisch, beispielsweise bei der Bezeichnung Abraham Lincolns als letztes Opfer und Märtyrer des Bürgerkriegs und der Sklavenbefreiung.
Alles in allem bleibt am Ende aber ein reflektierter und abgerundeter Gesamteindruck. Die unterhaltsam geschriebenen Biografien und Beschreibungen der Gebäude bieten einen gut lesbaren Einstieg in die Geschichte der amerikanischen Präsidenten und regen den Leser letztendlich auch dazu an, die historischen Orte selbst einmal zu besuchen.
Rezension: Elisa Heuser




