Während die Hunnen heute noch jedem Schulkind vertraut sind, wissen selbst Fachkollegen von den Awaren kaum mehr als den Namen, obwohl sie mit ihrem ostmitteleuropäischen Reich fast ein Vierteljahrhundert lang den Raum zwischen dem Frankenreich und Byzanz beherrschten. Ungarn und dessen Bewohner bilden zwar seit mehr als einem Jahrtausend eine wichtige Größe der europäischen Staatenwelt. Aber kaum jemand westlich der Leitha ist sich heute bewusst, dass die Ungarn das einzige eurasiatische Reitervolk waren, das nicht nur nach Europa kam, sondern dort auch auf Dauer blieb. Die Erhaltung der madjarischen Identität nach der Niederlage von Augsburg 955 und den daran anschließenden Rückschlägen wird nicht zuletzt dem politisch-religiösen Genie Stephans I. des Heiligen, des ersten Königs der Ungarn, verdankt. So sehr der Rezensent daher gerade diesen Abschnitt begrüßt, hätte er sich dafür doch ein sorgfältigeres Lektorat gewünscht. Auf der Karte zur Landnahme der Ungarn erscheint immer noch der überholte Begriff „Urheimat“, und die Karte zu den Streifzügen der Ungarn im 10. Jahrhundert hätte eine deutsche Beschriftung verdient. Und Konrad II. hat 1030 nicht eine „Ostmark“ zurückerobert, sondern einen Teil der bayerischen Donaumark nach einem verlorenen Feldzug an Stephan I. abgetreten.
Rezension: Wolfram, Herwig




