Sowohl tragische Ereignisse als auch bewunderungswürdige Taten vergangener Epochen haften den Orten an, welche dem Leser gezeigt werden. Manche unter ihnen erfüllt heute wieder reges religiöses Leben. Außerdem erfahren renommierte Familien, beispielsweise Kölns Oppenheims und Leipzigs Ariowitschs, wegen ihrer wirtschaftlichen, besonders aber sozialen Leistungen eine Würdigung.
Aus den durchweg mit komprimiertem Faktenwissen schwer beladenen Artikeln sticht jener Uri R. Kaufmanns zur Region Südwestdeutschland hervor, allerdings in ambivalenter Weise. Einerseits eröffnet er einen weiteren Horizont, denn bei ihm spielt zusätzlich die etwas seltsame Versöhnungspolitik der jungen Bundesrepublik eine Rolle: Vielfach wurden Synagogen, die das Dritte Reich überdauert hatten, zu christlichen Kirchen, Turn- oder Mehrzweckhallen umgebaut. Darüber hinaus spricht für ihn sein prägnanter Stil. Dieser überlässt konsequent der anhängend aufgelisteten Literatur eine Vertiefung zuvor skizzierter Themen. Andererseits stehen dem gravierende Fehler hinsichtlich der Lagebeschreibung sowie verwaltungsgeographischen Zuordnung diverser Orte gegenüber.
Im zweiten, „Essays“ benannten Teil wird die deutsche jüdische Kultur in ihren vielfältigen Facetten vorgestellt. Neben den Rubriken Philosophie, Wissenschaft, filmische Kunst und einigen anderen bietet Jutta Strauss faszinierende Einblicke in das Jiddisch. So erhellt sie nicht nur einzelne Nuancen der „Mameloschen“ – „Muttersprache“ – selbst, sondern auch deren Berührungspunkte mit dem Deutschen, Englischen, den slawischen Sprachen. Einer differenzierten Betrachtung der westlichen wie östlichen literarischen Tradition folgt eine Erläuterung ihres Aufschwungs nach der „Haskala“, jener Aufklärungsbewegung des europäischen Judentums. Ebenso wenig fehlt ein Hinweis auf die Diskriminierung in Israel. Denn dort dominiert als Staatssprache das Hebräische, welches dem Jiddischen keinen Raum zur Entfaltung lässt.
Der abschließende „Serviceteil“, speziell das Gedenkstättenverzeichnis ist recht umfangreich und übersichtlich gestaltet, die „kleine Auswahlbibliographie“ fällt hingegen zu knapp aus. Ein Ortsregister wäre dringend notwendig gewesen.
Rezension: Kühne, Lutz




