Anlässlich seines 25-jährigen Verlagsjubiläums hat der Kölner Taschen Verlag ein bereits 2006 erschienenes großformatiges Reisebuch mit beeindruckenden Fotografien und kurzen Beschreibungen des Weltenbummlers neu herausgegeben. Der Band trägt den Titel „Reiseberichte“, auf Englisch „travelogues“ – ein Begriff, den Holmes selbst erfand. Unter den ansprechend abgebildeten Fotos finden sich Motive ganz unterschiedlicher Art. Idyllische Landschaftsaufnahmen sind ebenso zu sehen wie Bilder aus quirligen Metropolen. Holmes zeigte sich dabei als ein Meister der Fotokunst. Es gelang ihm, sowohl den Alltag armer Bevölkerungsschichten als auch die Eleganz der damaligen Trendstädte einzufangen. Feinfühlige Porträtbilder stehen neben eindrucksvollen Aufnahmen von Naturereignissen oder religiösen, technischen und politischen Spektakeln.
Obwohl den Betrachter weder in den Fotos noch in den lebendig und schön geschriebenen Begleittexten Holmes‘ eine sozialkritische Studie erwartet, lassen sich anhand der Bilder die unterschiedlichen städtischen wie auch ländlichen Kulturen und Lebenswirklichkeiten in der Zeit vom Ende des 19. Jahrhunderts bis in die 1950er Jahre gut nachvollziehen.
Die meisten Fotografien sind noch zu Lebzeiten Burton Holmes‘ von Hand koloriert worden. Ihre warmen oder pastellenen Farbtöne hinterlassen einen ganz eigenen, wenn auch nicht unbedingt wirklichkeitsgetreuen Eindruck. Ein Auszug aus der Trauerrede auf Holmes, eine Einleitung und ein Schlusswort der Herausgeberin Genoa Caldwell sowie eine Zeitleiste mit den wichtigsten Stationen umrahmen die Reiseberichte und geben interessante Einblicke in das Leben und Werk des laut Untertitel „größten Reisenden seiner Zeit“.
Rezension: Philipp Meller




