Noch um 1848 hatte die Hälfte der Juden in Deutschland in Armut gelebt, rund 50 Jahre später gehörten viele von ihnen zum wohlbegüterten Bürgertum. Deutschlands Entwicklung zur führenden Industriemacht in Europa und die Herausbildung eines selbstbestimmten Bürgertums, an dem die jüdische Minderheit entscheidenden Anteil hatte, ermöglichten diesen Aufstieg, während zugleich die Urbanisierung rasch voranschritt. Der Prozess des sozialen Aufstiegs und der Akkulturation entsprang weitgehend jüdischer Initiative, wobei die Mehrheitsgesellschaft und der Staat eher hinderlich als hilfreich waren.
Der Jurist Gabriel Riesser hatte seit den 1830er Jahren die Bedingungen artikuliert, unter denen die jüdische Minderheit in Deutschland, die damals gerade mal ein bis zwei Prozent der Bevölkerung ausmachte, als gleichberechtigte Gruppe ihren Platz in der Gesellschaft haben sollte. Das Judentum definierte er als „Religions- und Kulturgemeinschaft“, auf die von der christlichen Mehrheitsgesellschaft kein Zwang, vor allem kein Taufzwang, ausgeübt werden sollte. Riesser artikulierte damit weitgehend die Meinung des jüdischen Bürgertums, das sich während dieser Jahre allmählich herausbildete und das sich, da es wirtschaftlich erfolgreich war, sozusagen selbst emanzipierte. …
Den vollständigen Artikel finden Sie in DAMALS 12/2013.
Prof. Dr. Arno Herzig





