Ihre enorme Reißfähigkeit verdanken die Haare einem speziellen Protein, dem Keratin. Es hat die Struktur einer aus vielen Einzelschnüren zusammengeflochtenen Leine, wie man sie von Schiffen kennt, die damit am Pier festgemacht werden. Genau wie eine solche Leine kann auch das Haar eines Menschen eine ganze Menge aushalten, bevor es reißt. Die chemische Grundlage dieser enormen Belastbarkeit ist im Wesentlichen der hohe Gehalt an der Aminosäure Cystein. Zwischen deren SH-Gruppen – SH steht für Schwefel und Wasserstoff – besteht eine besonders stabile „kovalente“ Bindung. Aber noch viele andere Bindungsarten tragen zu der erstaunlichen Reißfestigkeit bei, nicht zuletzt zahlreiche Wasserstoffbrücken. Die Belastbarkeit menschlicher Haare liegt, sofern man die unterschiedliche Dichte der Materialien berücksichtigt, im Bereich von Stahl.
Das gilt allerdings nur für gesundes, trockenes Haar. Ist der Kopfbewuchs dagegen durchnässt, lockern sich viele Wasserstoffbrücken-Bindungen, wodurch das einzelne Haar schon bei einer Belastung von 60 bis 70 Gramm reißt. Allgemein gilt: Haare sind umso stärker belastbar, je weniger sie sich dehnen lassen. Eine große Dehnbarkeit ist die Folge geschädigter chemischer Bindungen, etwa durch häufige Farb- und Formveränderungen beim Färben, Blondieren oder Dauerwellenlegen. All diese Prozeduren schädigen die Haarstruktur.
Übrigens ist die Zahl der Kopfhaare von Mensch zu Mensch verschieden – sie hängt vor allem von der Farbe ab. Denn mit rund 150.000 Haaren ist die Kopfhaut eines blonden Menschen deutlich dichter bewachsen als die eines schwarzhaarigen mit etwa 110.000, eines braunhaarigen mit circa 100.000 oder gar eines rothaarigen mit nur 80.000. Doch egal, wie viele es im Einzelfall sind – bei dieser gewaltigen Menge lässt sich der normale tägliche Verlust von ungefähr 80 Haaren problemlos verschmerzen.





