Tatsächlich ist der allnächtliche Traumschlaf lebenswichtig, dient er doch der Gesunderhaltung und Neuprogrammierung des Gehirns. Hindert man Versuchspersonen mehrere Nächte hintereinander am Träumen, reagieren sie anfänglich mit Nervosität und Gereiztheit sowie Konzentrationsstörungen und schließlich mit massiven körperlichen Problemen, insbesondere Unregelmäßigkeiten im Hormonhaushalt und Beeinträchtigungen des Immunsystems.
Wenn Träume für uns doch so wichtig sind, warum erinnern wir uns dann so schwer oder überhaupt nicht an sie? Auch das ist eine Frage, mit der sich Schlafforscher intensiv beschäftigt haben. Und um es gleich vorwegzunehmen: Sie wissen es bis heute nicht genau. Möglicherweise werden im Gehirn während des Traumschlafs zu wenige Botenstoffe, sogenannte Neurotransmitter, gebildet, die für die Weiterleitung von Nervenimpulsen und damit auch für die Übertragung von Informationen aus dem Kurz- in das Langzeitgedächtnis unentbehrlich sind. Das würde erklären, warum wir nur dann erzählen können, wovon wir geträumt haben, wenn wir direkt in einer REM-Phase oder allenfalls kurz danach geweckt werden, wenn die Träume also gleichsam noch in unserem Kurzzeitgedächtnis herumschwirren.
Eine weitere ungelöste Frage ist, warum wir im Schlaf nicht jene Handlungen vollziehen, wovon wir gerade träumen. Schließlich klopft doch während der REM-Phasen unser Herz heftig, und der Blutdruck steigt oft so stark an, dass wir kurz davor sind aufzuwachen. Doch zum Glück bleibt ein wichtiger Bestandteil unseres Körpers weitgehend untätig: die Muskulatur. Das liegt daran, dass unser Gehirn über das Rückenmark mächtige Signale an unsere Muskeln sendet, die sie regelrecht lähmen, während wir im Traum mit wilden Bestien kämpfen, vor einem Räuber fliehen oder von einem hohen Haus springen. Deshalb bleiben wir selbst im wüstesten Traum ruhig im Bett liegen oder bewegen uns allenfalls ein wenig auf der Stelle. Ja, manchmal wird die Muskelblockade sogar Teil des Traums. Fast jeder hat doch schon einmal erlebt, dass er in einem Albtraum vor irgendeiner Gefahr fliehen wollte, aber trotz aller Anstrengung keinen Meter von der Stelle kam.





