Bauchspeicheldrüsenkrebs ist eine der aggressivsten und am schlechtesten zu behandelnden Krebsarten. Obwohl Pankreastumoren nur 3,2 Prozent aller Krebsfälle ausmachen, sind sie die dritthäufigste krebsbedingte Todesursache. Ein Grund dafür ist, dass die Tumoren zu genetischen Mutationen neigen, die sie gegen viele Medikamente resistent machen. Zudem werden sie oft zu spät erkannt, sodass sich bereits Metastasen gebildet haben. Bei der aktuellen Standardbehandlung wird eine Chemotherapie, die die Tumorzellen in einem für Strahlung anfälligen Stadium hält, mit Strahlentherapie kombiniert. Die Schwierigkeit besteht jedoch darin, eine ausreichend hohe Strahlendosis zum Tumor zu bringen, ohne schwerwiegende Nebenwirkungen hervorzurufen.
Bestrahlung von innen
Ein neuer Ansatz besteht deshalb darin, radioaktives Material direkt in den Tumor zu implantieren, sodass die Strahlung nicht erst viele Schichten gesunden Gewebes durchdringen muss. Bisherige Versuche hatten allerdings ein entscheidendes Problem: Damit sich das radioaktive Material nach der Implantation nicht im Körper verbreiten kann, wurde es in Titan eingeschlossen. Dieses Metall ist jedoch nur für Gammastrahlung durchlässig, die sich auch weit über den Tumor hinaus ausbreitet und das umliegende Gewebe schädigt. Entsprechende Implantate können daher nur kurz im Körper bleiben, bevor die Schäden den Nutzen überwiegen.
„Es gibt im Moment einfach keinen guten Weg, Bauchspeicheldrüsenkrebs zu behandeln“, sagt Jeffrey Schaal von der Duke University in Durham. Gemeinsam mit seinem Team hat er nun womöglich eine Lösung für dieses Problem gefunden: Statt Titan nutzten die Forscher eine Substanz aus sogenannten elastinähnlichen Polypeptiden (ELPs). Dabei handelt es sich um synthetische Ketten von Aminosäuren, die bei Raumtemperatur flüssig sind, sich in der Wärme des Körpers aber miteinander verbinden und ein stabiles Gel bilden.
Gel als Depot für radioaktives Material
In dieses Gel betteten Schaal und seine Kollegen radioaktive Atome ein – in diesem Fall Iod-131, ein radioaktives Isotop, das bereits seit Jahrzehnten in der Medizin eingesetzt wird. Das Iod-131 sendet Betastrahlung aus, die das Biogel durchdringt und den Tumor erreicht. Dort wird die Strahlung fast vollständig absorbiert, sodass das umliegende Gewebe geschont wird. Das Gel wiederum hält das radioaktive Iod an Ort und Stelle. Mit der Zeit löst es sich in seine einzelnen Aminosäuren auf und wird vom Körper abgebaut – allerdings erst, nachdem das radioaktive Material in eine harmlose Form zerfallen ist. „Die Betastrahlung verbessert auch die Stabilität des ELP-Biogels“, erklärt Schaal. „Das hilft dem Depot, länger zu halten und sich erst dann abzubauen, wenn die Strahlung verbraucht ist.“





