Wenn also die Quantensprünge aus ihrer wissenschaftlichen Sphäre in die Welt der Ökonomie entführt werden, dann konnte man erwarten, dass einem dieser „Quanten Bullshit“ bald zum Hals raushängt. Der kanadische Physiker Chris Ferrie hat ihm jetzt ein Buch gewidmet, das er vorsichtig „Quantum Bullsh*t“ nennt, um im prüden Amerika nicht sofort daran gehindert zu werden, den Leuten zu erklären, „wie man sein Leben mit Ratschlägen aus der Quantenphysik ruinieren kann“. Ferrie informiert über Webseiten, die Zugang zum Quantenuniversum mittels Meditation, Hypnose und Transaktionen mit Kreditkarten versprechen. Er erzählt von einem „Quantum Xrroid Consciousness Interface“, das verkündet, Quantenenergie einzusetzen, um zum Beispiel Krebs zu heilen. Im Internet werden Skurrilitäten wie „Quantum Love“ angeboten, und das Ganze wird mit Kamasutra kombiniert, wobei die Autoren Doktortitel vor ihrem Namen führen.
In dem Buch geht es aber nicht nur um eine Auflistung der „quantum quackery“, wie man so schön auf Englisch sagen kann, sondern auch um die Frage, was die Quanten so anfällig für die Vereinnahmung durch ahnungslos Sinnsuchende macht. Die Quanten haben bekanntlich auch großen Geistern Mühe gemacht, wobei Albert Einstein als Beispiel dienen kann, der von würfelnden Göttern sprach und sich über spukhafte Fernwirkungen ärgerte, die in der Sphäre der Quanten eine Rolle spielen. Auffällig an den real stattfindenden Quantensprüngen im Innersten der Welt ist die Tatsache, dass sie einfach so passieren können, ohne dass sich eine Ursache finden lässt.
Groß ist daher für Quantenabstauber die Versuchung, Quantengläubigen einzureden, man könne Quantenqualität einfach so bekommen. Man muss an so viele Dinge glauben, warum nicht auch an einen Quantenzauber? Immerhin geben doch selbst gestandene Physiker zu, sich über ihre eigenen Theorien immer mehr zu wundern. Sie betrachten zum Beispiel die Art und Weise, wie die Natur mit Quantenhilfe die Materie hervorbringt, als reine Magie. Und wenn dann auch noch Aspekte der Quantenmechanik in den Mikroprozessoren von Smartphone und Co. ihre Magie entfalten, kann man leicht glauben, dass die Welt voller Quantenwunder steckt, und man sich nur trauen muss, sie dort ausfindig zu machen und einzusetzen, wo die traditionelle Vorgehensweise gegen die Wand fährt.
Quanten können durch diese Wände tunneln, und sie verfügen über die wundersame Eigenschaft, die Welt ein Ganzes sein zu lassen, ohne selbst fassbar zu sein. Man braucht in seinem Leben echte Quantensprünge und wird es mit falschen Quantentipps aus der Hand geben – wie die Manager ihre Unternehmen mit der falsch verstandenen Quantenhopserei. Die Karriere dieser Winzlinge ist nicht zu glauben.





