Es ist eine typische Alterserscheinung: Mit den Jahren nimmt die Leistungsfähigkeit und Plastizität unseres Gehirns ab. Auch ohne neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer oder Parkinson führt dies zu einem schleichenden Abbau der geistigen Leistungen und Schwierigkeiten mit dem Gedächtnis. Zwar kann man diesem Abbau durch Hirntraining, eine gesunde Lebensweise und ein reges soziales Leben entgegenwirken. Ganz verhindern lässt er sich aber nicht. Die Komplexität sowohl der Alterungsprozesse wie unseres Denkorgans erschweren es Wissenschaftlern, wirksame und konkrete Ansatzstellen für effektive pharmakologische Gegenmaßnahmen oder Therapien zu finden.
Klotho-Protein wirkt auf Stoffwechsel und Gehirn
In den letzten Jahren haben Studie jedoch Hinweise darauf gefunden, dass ein bestimmtes körpereigenes Protein eine wichtige Rolle für Alterung und Fitness des Gehirns spielen könnte. Dieses Klotho-Protein zirkuliert als Hormon im Blut und beeinflusst unter anderem den Insulinhaushalt, die Signalketten für bestimmte Wachstumsfaktoren sowie verschiedene Rezeptorfunktionen. Typischerweise ist der Spiegel dieses Proteins bei Neugeborenen und Kindern hoch und nimmt dann im Laufe des Lebens kontinuierlich ab. Obwohl dieses Hormon die Blut-Hirn-Schranke nicht passieren kann, scheint es auch das Gehirn und die geistigen Leistungen zu beeinflussen: “Studien zeigen, dass Menschen mit aus genetischen oder anderen Gründen erhöhten Klotho-Werten im Alter bessere geistige Leistungen, verzögerte neuropathologische Symptome und ein geringeres Risiko für Altersdemenz und Alzheimer haben”, berichten Stacy Castner von der Yale University in New Haven und ihre Kollegen. Verabreicht man älteren Mäuse zusätzliches Klotho, zeigen sie zudem eine verbesserte synaptische Plastizität, bessere geistige Leistungen und eine größere Resilienz gegenüber Demenzerkrankungen.
Um herauszufinden, ob diese Wirkung von Klotho auch auf Primaten übertragbar ist, haben nun Castner und ihr Team dies an Rhesusaffen untersucht. “Rhesusaffen stimmen phylogenetisch zu 93 Prozent mit uns Menschen überein, haben eine ähnliche genetische Diversität und demonstrieren höhere kognitive Funktionen”, erklärt das Team. “Wie der Mensch erleben Rhesusaffen mit dem Älterwerden geistigen Abbau und synaptische Veränderungen in verschiedenen Hirnregionen, darunter dem Hippocampus und dem präfrontalen Kortex.” Welchen Effekt es hat, wenn man bei älteren Affen den Klotho-Spiegel im Blut auf einen für Kleinkinder typischen Wert erhöht, haben Castern und ihre Kollegen nun erstmals getestet. Dafür verabreichten sie 18 im Schnitt rund 21 Jahre alten Rhesusaffen – dies entspricht einem Menschenalter von rund 65 Jahren – eine einmalige, unter die Haut gespritzte Dosis von zehn Mikrogramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht. Vorher und in regelmäßigen Abständen danach ließen sie die Rhesusaffen Gedächtnistests absolvieren. Dabei mussten sich die Affen merken, in welchem von bis zu neun gleich aussehenden Behältern ein Futterstück platziert worden war. Diese Tests wurden in verschiedenen Schwierigkeitsstufen durchgeführt.





