Aber ist das immer zielführend? Gerade die Grundlagenforschung visiert doch vor allem an, was noch unbekannt ist – andernfalls wäre es keine Grundlagenforschung. Ein Projekt dagegen geht seiner inneren Logik nach immer von einem guten Teil an Bekanntem aus, um es auf ein klar umrissenes Ziel hin weiterzutreiben. Nach diesem Muster bliebe für die Forschung jedoch oftmals nur noch erwartbar Unbekanntes als Ziel. Wirklich neue Durchbrüche lauern hier kaum.
Klingt paradox, oder? Aber tatsächlich lässt sich eine Forschungsplanung, wie die meisten Fördergeber sie für eine erfolgreiche Mittelbewilligung verlangen – also mit konkreten Zielvorgaben samt zugehörigem Zeitplan sowie mit klar kalkulierten finanziellen und personellen Ressourcen et cetera –, nur mit einem hinreichenden Maß an Bekanntem entwerfen. Können Forschungsvorhaben keine derartige Planung vorweisen, werden sie häufig nicht gefördert. Nicht zuletzt, weil sie damit das Kriterium „Projekt“ nicht erfüllen.
Die Gretchenfrage lautet also: Passt die Organisationsform „Projekt“ überhaupt zu dem, was Grundlagenforschung eigentlich leisten soll? Oder negativer ausgedrückt: Wird die Grundlagenforschung dadurch nicht eher behindert?
Viele Forscherinnen und Forscher sehen das offenbar so. Beispielsweise veröffentlichte die niederländische Wissenschaftsphilosophin Stephanie Meirmans gerade erst die Ergebnisse einer Umfrage zum Thema Forschungsförderung – und fasst darin unter anderem zusammen (sinngemäß übersetzt):
„Viele dieser […] Aspekte fallen unter den Begriff der durch das Fördersystem induzierten ‚Projektifizierung’ von Forschung […] Die Forschenden wiesen darauf hin, dass aus dieser Art von Förderung eine vorhersehbare, kurzsichtige, langweilige und von Moden geleitete Wissenschaft resultieren könnte. Darin sahen sie ein großes Problem. Denn auch nach ihren eigenen Erfahrungen mache die ‚Projektifizierung’ der Forschung es immer schwieriger, Wissenschaft von echter Bedeutung zu betreiben – sich also in wirklich Unbekanntes zu stürzen oder große Themen anzugehen, die einen langen Atem zur Reifung benötigen.“
Kollateralschäden der Forschung
„Projektifizierung“ also. Andere Quellen nennen es „Projektivismus“ oder „Projektitis“. Neu sind solche Bedenken natürlich nicht. Schließlich gibt es viele Beispiele, wie echte Durchbruch-Entdeckungen entweder als ungeplante „Kollateralschäden“ eines Projekts oder gänzlich ungeplant zustande kamen. Nehmen wir etwa den Fall der US-Pflanzenforscher Carolyn Napoli und Richard Jorgensen, die vor drei Jahrzehnten klären wollten, ob die Aktivität eines Enzyms namens Chalkonsynthase die Produktionsrate des violetten Blütenfarbstoffs Anthocyan festlegt. Dazu brachten Napoli und Jorgensen zusätzliche Kopien des Chalkonsynthase-Gens in die Petunien ein, um dadurch die Produktion des Enzyms in den Blütenblättern weiter in die Höhe zu treiben. Natürlich erwarteten sie in diesen Pflanzen tiefer violette Blüten als in normalen Petunien. Doch was kam heraus? Knapp die Hälfte der Blüten war komplett weiß, der Rest weiß gefleckt





