Besonders bei Kindern sollte man kein Risiko eingehen – aus diesem Grund hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ein unabhängiges Labor beauftragt, in Deutschland gekauften Alltagsprodukte für Kinder auf mögliche Schadstoffgehalte zu untersuchen. Im Fokus standen dabei fortpflanzungsschädliche Weichmacher, krebsfördernde polyzyklische aromatische Verbindungen (PAK) und weitere Chemikalien.
Weichmacher-Schnorchel in Kindermündern
Ergebnis: In fast allen Produkten der Stichprobe steckten die Schadstoffe in geringer bis hoher Konzentration. Besonders bedenklich: Das Kinder-Schnorchelset der Firma Aqua-Lung. Es war besonders stark mit Weichmachern belastet. Das Labor fand Diethylhexylphthalat (DEHP) in einer Menge von 45 Gramm pro Kilogramm Material. DEHP kann die Entwicklung der Sexualorgane von Kindern schädigen, weshalb für Spielzeug bereits ein Grenzwert von einem Gramm pro Kilogramm Material festgelegt wurde. Doch wie der BUND beklagt: Für Schnorchel und Taucherbrillen gelten diese Grenzwerte laut Gesetzgeber nicht, obwohl Kinder diese Produkte in den Mund nehmen beziehungsweise intensiven Hautkontakt mit ihnen haben.
Ein weiteres Negativ-Highlight des Tests: Das Werkzeugset der Firma Corvus. Der Grenzwert für DEHP wurde bei diesem Spielzeug ebenfalls überschritten und zudem entdeckte das Labor erhöhte Mengen von polyzyklischen aromatischen Verbindungen.
Auch eine Maltasche von Simba sollte man offenbar besser nicht in Kinderhände übergeben: Es wurden kritische Konzentrationen von Phthalaten nachgewiesen – dabei handelt es sich ebenfalls um einen Weichmacher mit üblem Ruf. Zudem wiesen die Labortests noch eine erhöhte Belastung mit der nervenschädlichen Substanz Toluol nach.
Schadstoff-Cocktails in Kinderzimmern
Dem BUND zufolge sei besonders problematisch, dass der kindliche Körper über die Haut, den Mund und die Atemluft einen Cocktail verschiedener Schadstoffe aufnehme. Untersuchungen des Umweltbundesamtes hätten gezeigt, dass Kinder vor allem mit Phthalaten stark belastet seien. Mögliche Folgen dieser Schadstoffe seien neben Fortpflanzungsstörungen auch eine verfrühte Pubertät.
“Es sollte eigentlich selbstverständlich sein, dass Kinderprodukte frei von gefährlichen Chemikalien sind. Die jetzigen gesetzlichen Regelungen reichen jedoch nicht, um Kinder wirklich zu schützen. Deswegen fordern wir, dass die Hersteller ihre Waren von unabhängigen Laboren untersuchen lassen – und zwar bevor diese auf den Markt kommen”, sagt die BUND-Chemieexpertin Ulrike Kallee.




