Malaria ist eine Infektionskrankheit, die über blutsaugende Stechmücken übertragen wird. Sie zählt zu den Haupttodesursachen weltweit. Bislang kursiert der Plasmodium-Parasit, der Malaria verursacht, vor allem in Moskitos tropischer und subtropischer Breiten, könnte sich mit dem Klimawandel jedoch zunehmend ausbreiten. Der beste Schutz vor einer Ansteckung sind bisher Moskito-Netze. Zwar gibt es auch breit wirkende Insektizide, die Insekten aller Art töten, und Anti-Malaria-Mittel, die direkt den Parasiten töten. Doch Moskitos und Plasmodien sind inzwischen vielerorts resistent gegen diese Wirkstoffe.
Parasitenmittel auf dem Prüfstand
Forschende um Lee Haines von der Liverpool School of Tropical Medicine haben daher nach neuen Wirkstoffen gegen Malaria gesucht. Dafür haben sie die Substanz Nitisinon näher untersucht. Der Wirkstoff gehört zur Gruppe der Endektozide, die Tierärzte gegen Parasiten und Insekten einsetzen, die sich von Blut ernähren, darunter Wanzen, Zecken, Fliegen und Mücken. Nitisinon ist von der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA auch für Menschen zugelassen, um seltene Stoffwechselstörungen wie die Erbkrankheiten Alkaptonurie und Tyrosinämie Typ 1 zu behandeln. Haines und seine Kollegen haben nun in verschiedenen Labortests überprüft, ob die Substanz für weibliche Moskitos der Art Anopheles gambiae giftig ist – die Hauptmalariaüberträger in vielen afrikanischen Ländern.
Dafür fütterten die Forschenden die Insekten mit Blutproben von Alkaptonurie-Patienten, die täglich Nitisinon einnahmen, sowie mit menschlichem Blut, das nachträglich mit der Substanz versetzt wurde. Das Ergebnis: Mücken, die das nitisinonhaltige Blut tranken, starben wenige Stunden später. Nähere Analysen ergaben, dass Nitisinon bei Menschen und Moskitos ein Enzym namens HPPD blockiert. Bei Menschen mit Stoffwechselstörungen ist das nützlich, die Stechmücken können ohne das Enzym jedoch Blut nicht mehr richtig verdauen. Menschliches Blut, das den Wirkstoff enthielt, tötete daher sowohl junge als auch alte Moskitos – einschließlich derer, die gegen Insektizide resistent sind, wie die Forschenden feststellten.
Vielversprechender Moskito-Killer?
Nitisinon tötete die Stechmücken zudem schneller und effektiver als der Wirkstoff Ivermectin, wie das Team in weiteren Tests feststellte. Dieser gehört ebenfalls zu den Endektoziden und galt bisher als Goldstandard für diese Medikamentengruppe, auch im Kampf gegen Malaria. Ivermectin ist jedoch umweltschädlich und führt oft zu Resistenzen, zudem wirkt es besser bei jüngeren Mücken und nur kurzzeitig. „Nitisinon hat eine viel längere Halbwertszeit im menschlichen Blut als Ivermectin. Das bedeutet, dass seine mückentötende Wirkung viel länger im menschlichen Körper zirkuliert. Dies ist aus Sicherheits- und wirtschaftlichen Gründen bei der Anwendung von entscheidender Bedeutung“, erklärt Seniorautor Álvaro Acosta Serrano von der University of Notre Dame. Im Vergleich war nitisinonhaltiges Blut circa 16 Tage lang tödlich, ivermectinhaltiges Blut jedoch nur etwa zehn Tage lang.





