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Plankton-Schwund in europäischen Meeren
Erde & Umwelt

Plankton-Schwund in europäischen Meeren

Die Mikroalgen des marinen Phytoplanktons sind eine wichtige „Lunge“ unseres Planeten. · Foto: © Wirestock/ iStock

Grund zur Sorge? Das Plankton der Nordsee und des europäischen Nordatlantiks ist in schlechtem Zustand: In fast allen Meeresgebieten schwindet das Phytoplankton - die für die Sauerstoffproduktion wichtigen Mikroalgen sind in den letzten rund 60 Jahren weniger geworden. Damit schwächelt die Basis der marinen Nahrungsnetze. Auch beim Zooplankton gibt es auffallende Veränderungen. Ursache dafür ist vor allem der Klimawandel.
Autor
Nadja Podbregar
29. Juni 2026
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Erde & Umwelt

Ob Grünalgen, Kieselalgen oder Cyanobakterien: Das Phytoplankton der Meere ist eine der wichtigsten „Lungen“ unseres Planeten. Diese einzelligen Meeresalgen produzieren rund die Hälfte des irdischen Sauerstoffs. Sie bilden zudem die Basis der marinen Nahrungsnetze und sind für das Leben im Meer unverzichtbar. „Dennoch wird das Plankton total unterschätzt: Die meisten Menschen wissen nicht einmal, was das ist“, sagt Erstautorin Abigail McQuatters-Gollop von der University of Plymouth.

Doch inzwischen ist diese wichtige Basis aller marinen Ökosysteme bedroht: Ozeanerwärmung, Versauerung und Meeresverschmutzung setzen vielen Planktonorganismen stark zu. Als Folge verändern sich die Planktongemeinschaften in vielen Meeren weltweit. Betroffen sind auch einige der wichtigsten Sauerstoffproduzenten im Ozean, wie Untersuchungen zeigen.

Phytoplankton-Rückgang und starke Veränderungen

Wie es dem Plankton in der Nordsee und dem europäischen Nordatlantik geht, hat ein internationales Team um McQuatters-Gollop nun erstmals umfassend quantitativ ausgewertet. Dafür analysierten die Forschenden Datensätze zu Plankton und Wasserbedingungen aus den letzten rund 60 Jahren. Dazu gehörten Messdaten von festen Stationen und Schiffen, aber auch Satellitendaten. Das Team ermittelte, wie sich Artenvielfalt, Planktondichte und Anteile der verschiedenen Arten und Gruppen über die Jahrzehnte hinweg verändert haben.

Das Ergebnis: In fast allen untersuchten Meeresgebieten hat die Phytoplankton-Biomasse deutlich abgenommen. Marine Mikroalgen insgesamt, aber auch ökologisch wichtige Schlüsselgruppen des Phytoplanktons sind in den letzten Jahrzehnten zurückgegangen. Betroffen ist davon auch die Nordsee. „Im Ärmelkanal wurde beispielsweise ein Chlorophyllrückgang von bis zu 25 Prozent beobachtet“, berichten McQuatters-Gollop und ihre Kollegen. Die Phytoplankton-Biomasse hat im gesamten Nordseegebiet abgenommen.

Ähnliches stellten die Forschenden für viele Zooplankton-Organismen fest. Zwar kommen in vielen Freiwasserzonen der Nordsee und des europäischen Nordatlantiks heute mehr Fisch- und Krebslarven als früher vor. Kleineres Zooplankton wie Ruderfußkrebse hat hingegen abgenommen, wie die Forschenden ermittelten. Auf Basis dieser Resultate hat das Team den Zustand der untersuchten Meeresgebiete in vier Kategorien eingeteilt: Gut, nicht gut, unsicher und nicht bekannt.

Plankton-Zustand

Zustand des Planktons in den Freiwasserzonen des europäischen Nordatlantiks und der Nordsee. — © McQuatters-Gollop et al./ Ecological Indicators, CC-by 4.0

Zustand insgesamt schlecht

Dies ergab: In keinem einzigen Gebiet der Nordsee oder des europäischen Nordatlantiks ist der Zustand des Planktons gut. „Alle pelagischen Habitate der OSPAR-Region wurden als ‚nicht gut‘ oder ‚unsicher‘ eingestuft“, schreiben die Forschenden. „Dies spiegelt eine anhaltende, großflächige Veränderung der Plankton-Biodiversität wider und signalisiert ein systemisches ökologisches Ungleichgewicht.“ Zwar wurde für diese Erhebung nur das Mikroplankton und nicht das noch kleinere Pico- und Nanoplankton untersucht, dennoch sehen die Biologen hier einen eindeutigen Trend.

Als besonders drastisch stuften die Meeresbiologen den Wandel der pelagischen Lebensräume vor den Küsten Irlands, Großbritanniens, Frankreichs und der Iberischen Halbinsel ein. Die Nordsee erhielt für ihre Schelfgebiete ebenfalls die Kategorie „nicht gut“, die restlichen Gebiete wurden als „unsicher“ eingestuft. Demnach sind dort zwar Veränderungen sichtbar, bisher ist aber unklar, ob dies negativ oder positiv zu werten ist.

„Klare Warnung“

„Die Warnung ist klar: Das Plankton wandelt sich in einigen der wichtigsten Meere Europas – und diese Veränderungen sind weit über das Plankton hinaus bedeutsam“, sagt McQuatters-Gollop. „Sie beeinflussen Nahrungsnetze, die Fischerei, den Kohlenstoffkreislauf und damit letztlich auch uns Menschen.“ Die Herausforderung bestehe nun darin, auf Basis dieser Befunde ins Handeln zu kommen.

Was aber sind die Ursachen? Nach Angaben des Forschungsteams ist einer der stärksten Treiber dieser Planktonveränderungen der Klimawandel. Die von ihm verursachte Erwärmung der Ozeane verändert die Wassertemperaturen und die Schichtung des Meerwassers. Durch die Aufnahme von CO2 sinkt zudem der pH-Wert des Wassers. Aber auch der anhaltende Einstrom von Nährstoffen und die damit verbundene Überdüngung vieler Meeresgebiete sind Treiber der Veränderungen, wie das Team erklärt.

„Die wichtigste Maßnahme zum Schutz intakter pelagischer Lebensräume ist die Eindämmung des Klimawandels durch eine Reduktion der CO2-Emissionen“, schreiben McQuatters-Gollop und ihr Team. Aber auch striktere Maßnahmen gegen die Überdüngung der Meere seien dringend nötig. Die Forschenden plädieren zudem dafür, das Plankton in Zukunft genauer zu überwachen und die dafür nötige Methodik weiter auszubauen.

Quelle: Abigail McQuatters-Gollop (University of Plymouth, UK) et al., Ecological Indicators, 2026; doi: 10.1016/j.ecolind.2026.115005

KlimawandelMeerMeeresökologieNordatlantikNordseeOzeanPhytoplanktonPlankton

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