Bereits kurz nachdem sie vor etwa 4,6 Milliarden Jahren ihr stellares Feuer entfacht hatte, wurde unsere Sonne zur kosmischen “Mutter”: Ihre Planeten einschließlich der Erde entstanden früh in der Geschichte unseres Heimatsystems. Dies gilt als typisch – man geht davon aus, dass sich Planeten aus dem Restmaterial bilden, das neuentstandene Sterne noch umgibt. Die Materie aus Staub und Gas bildet dabei sogenannte protoplanetare Scheiben aus, in denen Verklumpungsprozesse schließlich zur Entstehung von Planeten führen. Irgendwann ist das Baumaterial dann allerdings aufgebraucht. Ältere oder gar im Verfall befindliche Sterne bringen deshalb keine neuen Begleiter mehr hervor, so die Annahme. Doch wie das internationale Astronomenteam um Jacques Kluska von der Katholischen Universität Leuven in Belgien nun berichtet, könnte es interessante Ausnahmen von dieser Regel geben.
Spezielle Doppelsternsysteme im Visier
Es war bereits bekannt, dass Scheiben aus Staub und Gas nicht unbedingt nur neugeborene Sterne umgeben. Sie können sich auch unabhängig von der Sternentstehung in speziellen Systemen aus zwei Sternen bilden, die einander umkreisen – und zwar dann, wenn ein Partner „im Sterben liegt“. Der Grund: Wenn sich ein mittelgroßer Stern dem Ende seiner Existenz nähert, schleudert er den äußeren Teil seiner Atmosphäre in den Weltraum, woraufhin er langsam zu einem Weißen Zwerg erlischt. In einem Binärsystem bewirkt dabei allerdings die Anziehungskraft des zweiten Sterns, dass die von dem sterbenden Partner ausgestoßene Materie eine flache, rotierende Scheibe um das Duo bildet.
Solche sogenannten evolvierten Doppelsternpaare mit Materiescheiben haben Kluska und seine Kollegen im Rahmen einer Recherche ausfindig gemacht. Anschließend haben sie dann deren Strukturen genauer unter die Lupe genommen. Als Grundlage nutzten sie bereits vorhandene, öffentlich zugängliche Beobachtungsdaten verschiedener früherer Untersuchungen. Wie die Wissenschaftler berichten, fanden sie insgesamt 85 Exemplare dieser sogenannten evolvierten Doppelsternpaare mit Materiescheiben. Bei einigen von ihnen, stießen sie dabei auf eine charakteristische strukturelle Besonderheit.
Verdächtige Freiräume in den Scheiben
“Bei zehn Prozent der von uns untersuchten Systeme sehen wir deutliche Freiräume in der Scheibe”, berichtet Kluska. “Das ist ein Hinweis darauf, dass dort etwas herumschwimmt, das die gesamte Materie im Bereich des freien Raums aufgesammelt hat.” Dies könnte somit das Werk eines Planeten sein. Es ist möglich, dass es sich um einen alten Himmelskörper handelt, der sich bereits am Anfang des Lebens eines der Doppelsterne gebildet hat. Doch es erscheint ebenfalls möglich, dass es ein Planet der zweiten Generation ist, der sich erst aus dem Zerfallsmaterial des sterbenden Sterns gebildet hat.





