Heute Abend zieht eine totale Sonnenfinsternis über Teile der Nordhalbkugel hinweg. Der Pfad der Totalität beginnt über der Arktis, läuft über Grönland, Island, den Norden Spaniens und die Balearen hinweg und bietet damit Millionen Menschen in Europa die Chance, dieses seltene Himmelsschauspiel zu bewundern. Im Rest von Europa – auch bei uns in Deutschland – können wir aber immerhin eine sehr tiefe partielle Sonnenfinsternis bestaunen. Parallel dazu erreicht der alljährliche Meteorschauer der Perseiden heute Abend seinen Höhepunkt – es regnet Sternschnuppen.

Eine totale Sonnenfinsternis entsteht, wenn der Mond genau zwischen Sonne und Erde vorbeizieht und sein Kernschatten (Umbra) die Erdoberfläche erreicht. — © NASA's Scientific Visualization Studio
Wann beginnt die Sonnenfinsternis und wie läuft sie ab?
Die Sonnenfinsternis beginnt je nach geografischem Standort zwischen 19:11 Uhr in Norddeutschland und 19:25 Uhr in Süddeutschland. Der Mond erreicht den Sonnenrand und schiebt sich nun allmählich immer weiter vor die helle Sonnenscheibe. Zu diesem Zeitpunkt steht die Sonne bereits tief am westlichen Himmel – etwa eine gute Handbreit über dem Horizont. Es ist daher sinnvoll, sich einen Standort mit freier Sicht nach Westen zu suchen.
Der Höhepunkt der Sonnenfinsternis – die maximale Bedeckung – ereignet sich in Norddeutschland gegen 20:05 Uhr, im Süden rund zehn Minuten später. Der Mond verdeckt nun die Sonnenscheibe zu 88 bis 90 Prozent. Eine so starke Verfinsterung gibt es in Deutschland erst wieder am 3. September 2081, wenn eine totale Sonnenfinsternis über den Südwesten Deutschlands zieht. Am Himmel sehen wir nun nur noch eine schmale Sonnensichel, die etwa einen bis drei Finger breit über dem Westhorizont steht.
Schon nach wenigen Minuten endet die maximale Bedeckung. Der Mond legt nun immer mehr von der Sonne frei, bis die Sonnenfinsternis gegen 21:00 Uhr endet. In den meisten Teilen Deutschlands ist die Sonne zu diesem Zeitpunkt jedoch schon untergegangen.

Zonen der Totalität und der partiellen Verfinsterung bei der Sonnenfinsternis vom 12. August 2026. — © European Space Agency (ESA)/ ATG Europe, CC-by-sa 3.0 IGO
Warum sehen wir keine totale Sonnenfinsternis?
Dass es auf der Erde totale Sonnenfinsternisse gibt, verdanken wir einem kosmischen Zufall: Weil der Mond rund 400-mal kleiner ist als die Sonne, aber uns auch rund 400-mal näher, erscheinen beide am Himmel gleich groß. Wenn sich der Mond vor die Sonne schiebt, kann er sie daher vollständig verdecken. Aus dem All betrachtet wirft der Mond dabei einen kegelförmigen Schatten in Richtung Erde. Dort, wo die Umbra, der dunkle Kernschatten des Mondes, auf die Erdoberfläche trifft, sehen wir eine totale Sonnenfinsternis.
Allerdings hält diese Phase der Totalität nicht lange an: Die Spitze des Mondschattens ist auf der Erdoberfläche nur wenige hundert Kilometer groß – bei der aktuellen Sonnenfinsternis sind es rund 300 Kilometer. Weil sich die Erde dreht, wandert der Mondschatten zudem relativ schnell über die Erdoberfläche hinweg. Dadurch entsteht ein schmaler „Pfad der Totalität“, in dem die totale Sonnenfinsternis an einem Standort jeweils nur gut zweieinhalb Minuten anhält.
Deutschland liegt heute Abend nicht in diesen Schattenpfad und erlebt daher nur eine partielle Sonnenfinsternis. Im Norden Spaniens und Teilen Islands können Menschen dagegen das Ereignis in voller Pracht bestaunen.
Wo im Internet wird die Sonnenfinsternis übertragen?
Wer die totale Sonnenfinsternis von zu Hause aus mitverfolgen will, hat dazu gleich mehrere Möglichkeiten. Die Europäische Raumfahrtagentur ESA überträgt die Sonnenfinsternis ab 19:30 Uhr live auf YouTube. Die NASA streamt das Ereignis ab 19:15 Uhr auf YouTube, X, NASA+ und auch auf Amazon Prime und Netflix. Das ZDF sendet ab 19:00 Uhr einen Livestream mit Harald Lesch und Gästen aus Mallorca zur totalen Sonnenfinsternis und den wissenschaftlichen Hintergründen.
Auch viele Sternwarten und Observatorien in Deutschland übertragen ihre Sonnenfinsternis-Beobachtungen im Internet. Wer den Anblick in seiner Region live mitverfolgen möchte, sucht am besten gezielt nach diesen Livestreams.
Von SoFi-Brille bis Lochkamera – so beobachte ich die Sonnenfinsternis sicher
Das Wichtigste bei der Sonnenfinsternis-Beobachtung ist der Schutz unserer Augen: Auch wenn auf dem Höhepunkt der Sonnenfinsternis nur noch eine schmale Sonnensichel sichtbar ist, reicht ihr Licht aus, um unsere Netzhaut schwer zu schädigen – im Extremfall kann man erblinden. Das Tückische dabei: Es tut nicht weh, daher merken wir die Schäden nicht. „Man sollte sich weder durch die hohe Abdeckung der Sonne noch die einsetzende Dämmerung dazu verleiten lassen, die Augen weniger gut zu schützen“, warnt Daniela Weiskopf vom Bundesamt für Strahlenschutz.
„Nur geprüfte Schutzbrillen oder eine indirekte Beobachtung sind sicher“, so die Expertin. Am besten geeignet sind die eigens dafür hergestellten Sonnenfinsternisbrillen. Diese bestehen aus beschichteter Folie, die maximal 0,001 Prozent des Sonnenlichts durchlässt. Um sicher zu gehen, dass die SoFi-Brille auch ausreichend schützt, sollte man auf das CE-Symbol der Europäischen Union achten und die Brille vor Nutzung auf Kratzer oder andere Schäden kontrollieren.
Wer keine Sonnenfinsternisbrille hat, kann das Himmelsschauspiel trotzdem verfolgen: durch eine selbstgebastelte Lochkamera. Dafür reicht ein Pappkarton, beispielsweise ein Schuhkarton, in den man auf einer Seite ein kleines Loch bohrt, etwa ein bis zwei Millimeter groß. Auf der anderen Seite des Kartons ersetzt man die Pappe durch Butterbrotpapier oder Seidenpapier – das Papier darf nur halbtransparent sein, nicht durchsichtig sein. Richtet man nur diesen Karton mit dem Loch voran auf die Sonne, sieht man eine klare Projektion der Sonnensichel auf der Papierseite.
Wovon raten die Experten ab?
Auf keinen Fall sollte man die Sonnenfinsternis mit einer normalen Sonnenbrille betrachten, ihr Schutz reicht nicht aus, um die Augen vor der direkten Sonnenstrahlung zu schützen. Auch im Internet oft genannte Alternativen wie schwarze Filmstreifen, mit Kerzenruß geschwärzte Gläser, gefaltete Rettungsdecken, Schweißerbrillen, Röntgenbilder oder CDs sind kein zuverlässiger Augenschutz, wie Weiskopf erklärt. Denn oft lassen sie noch zu viel Strahlung durch oder sind unregelmäßig abgedunkelt.
Wichtig auch: Möchte man die Sonnenfinsternis fotografieren, sollte man nicht direkt in den Sucher schauen. Auch Ferngläser oder Teleskope ohne geeignete Filter sind eine Gefahr für die Augen. Denn sie bündeln die Sonnenstrahlen und verstärken so die Strahlenbelastung der Netzhaut. Fürs Smartphone kann man sich mit der Folie einer Sonnenfinsternisbrille behelfen, die man über das Objekt klebt. Für Teleskope und größere Kameras gibt es spezielle Filteraufsätze oder Folien.
Wie selten ist eine Sonnenfinsternis?
Der Mond wandert jeden Monat einmal zwischen Erde und Sonne durch – zu Neumond. Dennoch gibt es dabei nicht jedes Mal eine Sonnenfinsternis. Der Grund: Die Mondumlaufbahn liegt nicht genau auf einer Eben mit der Erdbahn, sondern ist um rund fünf Grad gegen sie geneigt. Dadurch zieht der Mond meist über oder unter der direkten Linie Erde-Sonne vorbei. Zur Sonnenfinsternis kommt es nur dann, wenn der Mond diese Linie bei seiner Passage genau kreuzt. Das ist immerhin zwei bis dreimal im Jahr der Fall.
Aber noch etwas muss passen: der Abstand von Erde und Mond. Denn die Mondumlaufbahn ist elliptisch, daher variiert seine Entfernung zur Erde. Ist der Erdtrabant bei seiner Passage vor der Sonne zu weit von unserem Planeten entfernt, reicht die Spitze seines Kernschattens nicht bis zur Erdoberfläche. Eine Sonnenfinsternis gibt es dann zwar, sie ist aber nur von großer Höhe aus sichtbar – beispielsweise aus dem Erdorbit.
Und auch wenn der Mondschatten die Erde trifft, sehen wir nicht immer eine totale Sonnenfinsternis. Denn ist der Erdtrabant gerade an einem eher erdfernen Punkt seiner Bahn, erscheint er von uns aus gesehen kleiner und kann die helle Sonnenscheibe nicht vollständig verdecken – wir sehen eine ringförmige Sonnenfinsternis. Zusammengenommen bedeutet dies: Eine totale Sonnenfinsternis gibt es auf der Erde alle ein bis zwei Jahre einmal. Aber weil der Schattenpfad so schmal ist, trifft sie einen bestimmten Ort im Schnitt nur alle 375 Jahre.
Die letzte in Deutschland sichtbare totale Sonnenfinsternis gab es am 11. August 1999, die nächste wird sich erst wieder am 3. September 2081 ereignen.

Die Sternschnuppen der Perseiden entstehen durch Staubteilchen, die der Komet 109P/Swift-Tuttle im All hinterlassen hat. Die Erde zieht heute Nacht durch diese Staubwolke hindurch. — © Sky & Telescope
Perseiden: Wann fallen die Sternschnuppen?
Nach der Sonnenfinsternis wartet ein weiteres Himmelsschauspiel auf uns: der Höhepunkt der Perseiden. Dieser Meteorschauer gehört zu den schönsten Sternschnuppenregen des Jahres. Auch wenn das eigentliche Maximum der Perseiden erst gegen 04:00 Uhr morgens liegt, können wir schon in den Stunden davor gut hundert Sternschnuppen pro Stunde sehen. In diesem Jahr ist die Sicht besonders gut, weil kein Mondlicht die Meteore überstrahlt.
Es lohnt sich also, nach der Sonnenfinsternis noch ein wenig auf die Dunkelheit zu warten und dann auf Sternschnuppenjagd zu gehen. Ihren Ursprung haben die Perseiden im Staubschweif des Kometen 109P/Swift-Tuttle. Der rund 26 Kilometer große Komet umkreist im Laufe von 133 Jahren die Sonnen auf einer elliptischen Bahn und hinterlässt dabei eine Staubspur, die die Erdbahn kreuzt. Einmal im Jahr – immer Mitte August – zieht unsere Erde durch diese Staubwolke hindurch und die Staubteilchen verglühen in der Atmosphäre.
Quellen: NASA, ESA, Max-Planck-Institut für Astronomie, Bundesamt für Strahlenschutz





