Mehr als tausend Planeten um fremde Sterne haben Teleskope inzwischen im Weltall aufgespürt, darunter rund 500 Himmelskörper in Mehrplanetensystemen. Die meisten von ihnen haben eines gemeinsam: In ihnen gibt es große Gasriesen oder Supererden, die ihren Stern sehr eng und schnell umkreisen – oft benötigen sie nur wenige Tage bis einige Monate für einen Umlauf. “Die Standardausgabe eines Planetensystems scheint demnach ein Satz von Supererden mit extrem kurzen Umlaufzeiten zu sein”, erklären Konstantin Batygin und Gregory Laughlin vom California Institute of Technology (Caltech) in Pasadena. Doch genau das fehlt in unserem Sonnensystem. Stattdessen herrscht in Sonnennähe eine verdächtige Leere: Der erste Planet, Merkur, zieht seine Bahn erst n rund 0,4 astronomische Einheiten von der Sonne entfernt und benötigt 88 Tage für einen Umlauf. Hinzu kommt, dass die inneren Planeten des Sonnensystems, Merkur, Venus, Erde und Mars, offenbar erst entstanden, nachdem ein Großteil des Gases in der Urwolke bereits vom Sonnenwind weggeweht worden war. Deshalb sind sie im Vergleich zu anderen Planeten eher gasarm. “Damit erscheint unser Sonnensystem immer mehr als Außenseiter”, so die Forscher.
Aber warum unterscheidet sich das Sonnensystem so stark von allen anderen bekannten Planetensystemen? Um das herauszufinden, haben Batygin und Laughlin eine Theorie aufgegriffen, die Planetenforscher bereits seit längerem diskutieren: eine Wanderung des Jupiter. Denn einiges deutet darauf hin, dass der Gasriese nicht in der Umlaufbahn entstand, in der er jetzt kreist. Stattdessen geht man davon aus, dass der Jupiter weiter außen entstand und dann allmählich nach innen wanderte. Erst als dann weiter außen auch der Saturn entstand, kehrte sich diese Wanderung um und er etablierte sich in seiner heutigen Umlaufbahn. “Es gibt eine Menge Belege, die diese Ein- und Auswärtswanderung des Jupiter belegen”, so Laughlin. “Wir haben uns nun angeschaut, welche Konsequenzen sie hatte.” Dafür führten sie Computersimulationen durch, die die Bildung von Protoplaneten und die Wirkung der Jupiterwanderung auf Gas und Planetenbausteine im jungen Sonnensystem rekonstruierten.
Fatale Kollisionskaskade
Wie sich zeigte, könnte die Wanderung des Gasriesen eine wahre Kettenreaktion im Sonnensystem ausgelöst haben. Denn er riss in seinem Sog enorme Mengen von Gesteinstrümmern und Planetenbausteinen mit sich in das innere Sonnensystem, wie die Simulation ergab. “Die Masse dieses durch Resonanzeffekte mitgezogenen Materials liegt bei 10 bis 20 Erdmassen – rund eine Größenordnung höher als die Masse aller erdähnlichen Planeten zusammen”, so die Forscher. Bis zu 1.000 Kilometer große Planetesimale könnte der Gasriese mitgezogen haben. Das aber hatte fatale Folgen: Es löste eine Kaskade von Kollisionen dieser Brocken untereinander und mit den bereits im inneren Sonnensystem kreisenden Gesteinsbrocken aus. Größere Planetenkeime wurden dabei zerstört und ein Großteil der Trümmer stürzte in die nahe Sonne. Die ursprünglich in Sonnennähe sehr dichte Akkretionsscheibe wurde dadurch in diesem Bereich stark ausgedünnt. Erst als der Jupiter dann seine Wanderungsrichtung umkehrte, beruhigte sich die Lage allmählich.





