Unter den über 5600 Welten, die Astronomen mittlerweile schon um ferne Sterne entdeckt haben, gibt es eine Kategorie, die in unserem Sonnensystem nicht zu finden ist: Bei den sogenannten heißen Jupitern handelt es sich um Exoplaneten, die zwar unseren Gasriesen Jupiter und Saturn ähneln, aber eine deutlich andere Position in ihren Systemen einnehmen: Sie kreisen näher um ihre Sterne als der Merkur um die Sonne, wodurch sie sich stark aufheizen. Man nimmt an, dass diese Himmelskörper nicht ursprünglich auf diesen engen Umlaufbahnen entstanden sind: Modelle legen nahe, dass sie sich zunächst in äußeren Bereichen ihrer Systeme gebildet haben und erst später auf ihre die engen Umlaufbahnen eingeschwenkt sind.
„Astronomen suchen seit mehr als zwei Jahrzehnten nach Exoplaneten, die Vorläufer heißer Jupiter oder Zwischenprodukte des Migrationsprozesses darstellen könnten“, sagt Erst-Autor Arvind Gupta von der Pennsylvania State University in University Park. Bisher gab es nur in einem Fall Hinweise auf einen Planeten, der sich in diesem Entwicklungsprozess befinden könnte. Nun präsentieren Gupta und seine Kollegen einen weiteren Kandidaten. Es handelt sich dabei um den Planeten mit der Bezeichnung TIC 241249530, der einen etwa 1100 Lichtjahre von der Erde entfernten Stern umrundet.
Erstaunlich ausschweifend unterwegs
Er wurde ursprünglich durch Daten des Transiting Exoplanet Survey Satellite (TESS) der NASA mittels der Transitmethode entdeckt, die die Verschattung detektiert, die der vor seinem Stern vorbeiziehende Planet erzeugt. Anschließend lieferten dann Instrumente des Kitt Peak National Observatory in Arizona weitere Daten, die Hinweise anhand der Radialgeschwindigkeit des Sterns ermöglichten. Spektralanalysen des Sternenlichts konnten dabei das „Wackeln“ des Sterns aufzeigen, das auf die Anziehungskraft des Planeten beim Umlauf zurückzuführen ist. Anhand der gesammelten Informationen waren dann Rückschlüsse auf die Merkmale von TIC 241249530 sowie seiner Umlaufbahn möglich.
Wie das Team berichtet, ging aus den Datenanalysen hervor: Der Planet ist fünfmal massereicher als Jupiter und bewegt sich bei seinem etwa sechs Monate dauernden Orbit extrem exzentrisch: Er kommt seinem Stern dabei zeitweise sehr nahe, bewegt sich dann aber auf einer stark elliptischen Umlaufbahn weit von ihm weg. Wenn der Planet Teil unseres Sonnensystems wäre, würde er der Sonne näherkommen als Merkur, aber dann bis in den Bereich der Umlaufbahn der Erde ausschweifen, erklären die Forschenden. TIC 241249530 weist damit nun den höchsten bisher erfassten Wert der Exzentrizität eines beim Transit erfassten Planeten auf, sagen die Forschenden. Er löst damit den bisherigen Rekordhalter HD 80606 b ab, der bereits als ein Kandidat für einen sich entwickelnden heißen Jupiter galt.





