Leute, die nicht besonders risikofreudig sind, werden relativ früh aufhören zu pumpen und mit dem sicher verdienten Geld nach Hause spazieren. Aber Menschen, die sich nicht scheuen, große Risiken einzugehen, pumpen den Ballon tendenziell weiter auf, um mehr Geld zu bekommen – auch auf die Gefahr hin, dass der Ballon platzt und mit ihm der Traum der leicht verdienten Euros.
Länger pumpen mit Paracetamol
In der Forschung nimmt man dazu nicht einen echten Ballon, sondern einen digitalen am Computer, damit alles schön einheitlich bleibt und weniger Müll entsteht. Das Prinzip ist jedoch dasselbe, und vor Kurzem hat man Folgendes entdeckt: Wenn man Probanden vor diesem Test das Schmerzmittel Paracetamol gibt, pumpen sie den Luftballon deutlich weiter auf, als wenn sie kein Schmerzmittel bekommen haben. Das Schmerzmittel verleitet die Menschen offenbar dazu, größere Risiken einzugehen. Das gilt nicht nur für Luftballons: Personen, die Paracetamol bekommen hatten, gaben danach häufiger an, dass Bungee Jumping oder auch der Beginn einer neuen Karriere weniger riskant sei, als Personen, die kein Schmerzmittel bekommen hatten.
Dabei ist Paracetamol kein Einzeltäter. 2012 fand eine Studie heraus, dass der Arzneistoff Propranolol, der häufig gegen Bluthochdruck verschrieben wird, nicht nur den Druck in den Arterien reduziert, sondern ebenso die unbewusste Abneigung gegenüber Menschen fremder Abstammung.
Man kann also davon ausgehen, dass durch den verbreiteten Einsatz dieser Substanzen im Laufe der letzten Jahrzehnte unzählige Entscheidungen getroffen wurden, ohne dass den Leuten bewusst war, dass sie ohne Schmerzmittel oder Blutdrucksenker vielleicht ganz anders entschieden hätten. Das wirft die Frage auf, wie frei diese Entscheidungen dann überhaupt waren. Und angenommen, unsere Entscheidungen wären nicht frei, würden wir das überhaupt bemerken?
Ratten mit Rucksack
Stellen wir diese Frage den sogenannten Robo-Ratten. Das sind echte Ratten, die einen kleinen Rucksack tragen, in dem sich ein Funkempfänger befindet. Von diesem Empfänger gehen Leitungen direkt ins Gehirn der Ratte. Forscher können dadurch mit einer Fernbedienung Signale in das Rattenhirn schicken und die Tiere somit fernsteuern.
Man kann die Ratten nach links laufen lassen oder nach rechts. Man kann sie sogar Dinge tun lassen, die Ratten normalerweise nicht gerne tun, zum Beispiel sie aus größerer Höhe herunterspringen lassen.
Dabei ist der entscheidende Punkt jedoch nicht, was die Ratte macht, sondern weshalb sie es zu machen glaubt. Die elektrischen Signale gehen nicht direkt in die Muskulatur der Tiere. Sie gelangen auch nicht unmittelbar in den Teil des Gehirns, der Bewegungen steuert. Stattdessen beeinflussen sie die Bereiche des Gehirns, die für Belohnung zuständig sind. Dadurch können die Forscher nicht direkt beeinflussen, was die Ratte tut. Aber sie können beeinflussen, was die Ratte tun möchte.





