Schwarz ist schwieriger. Bei neuer Kleidung ist Ihnen nach der ersten Wäsche vermutlich schon einmal aufgefallen, dass das Schwarz eigentlich nicht wirklich schwarz ist. Es ist eher ein sehr dunkles Blau oder vielleicht ein dunkles Grün, im besten Fall ein dunkles Grau.
Überhaupt ist nichts richtig schwarz. Das liegt daran, dass Schwarz eigentlich keine Farbe ist. Schwarz ist die Abwesenheit von Farbe. Der Nachthimmel zum Beispiel ist schwarz, bis auf die Sterne. Oder zumindest wäre er schwarz, wären da nicht die Straßenlampen. Ein tiefes Loch ist auch schwarz, denn da fällt Licht hinein, aber es kommt keines heraus.
Wenn wir von schwarzer Farbe reden, dann meinen wir daher ein Material, das Licht im sichtbaren Bereich möglichst gut verschluckt. So ein Material kann man idealerweise zu einem Pigment verarbeiten und es auf andere Oberflächen auftragen, sodass diese das gewünschte Schwarz annehmen. Nun ist es aber so, dass Farbpigmente Licht bestimmter Wellenlängen verschlucken, weil ihre molekulare Komposition auf diese Wellenlängen reagiert. Für Schwarz muss man daher ein Pigment finden, das auf alle Wellenlängen im sichtbaren Bereich reagiert. Und das ist alles andere als leicht. Das derzeit schwärzeste Schwarz wurde durch Zufall entdeckt, wie das Massachusetts Institute of Technology (MIT) letztes Jahr berichtete. Die MIT-Forscher wollten eigentlich Kohlenstoff-Nanoröhrchen auf Aluminium wachsen lassen, um die elektrische Leitfähigkeit des Metalls zu erhöhen. Das schafften sie auch, bemerkten dann aber, dass das so entstandene Material tiefschwarz war. Die Messungen der verblüfften Wissenschaftler ergaben, dass die mit Nanoröhrchen beschichtete Oberfläche 99,995 Prozent des einfallenden Licht verschluckte. Das ist zehnmal so viel wie der vorherige Rekordhalter für Schwarz, das sogenannte Vantablack, das auch auf Kohlenstoff-Nanoröhrchen basiert.
Superschwarze Löcher
Warum diese Materialien so schwarz sind, ist noch unklar. Nicht ganz klar ist auch, wozu sie gut sind. Hersteller von Kameras und lichtempfindlichen Messgeräten könnten sie in der Zukunft zur Vermeidung von Streulicht nutzen. Doch bisher wird das Superschwarz vor allem in der Kunst verwendet, denn visuell ist die Farbe äußerst erstaunlich. Die komplette Abwesenheit jeglicher Schatten und Reflexionen lässt damit bestrichene Oberflächen nahezu zweidimensional erscheinen. Auf Fotos sehen die Objekte unecht aus, wie Löcher.
Ebenfalls durch Zufall gefunden wurde 2009 das erste neue anorganische Blaupigment seit der Entdeckung von Kobaltblau 1802. Eigentlich hatte der Forscher von der Oregon State University versucht, neue Materialen für elektronische Anwendungen zu entwickeln. Wie auch die Erfinder des neuen Schwarzes wurde er von der Farbe überrascht. Das neue Blau, das inzwischen patentiert ist, stellte sich als ausgesprochen stabil und lichtecht heraus, und es benötigt, im Unterschied zu Kobaltblau, keine toxischen Inhaltsstoffe.





