Der in der IT-Welt als „Godfather“ der KI verehrte Hinton hat die Frage, ob er wirklich keine weiteren Beiträge mehr zur Digitalen Intelligenz liefern will, bejaht und seine Antwort mit der Tatsache begründet, dass er beim Schreiben der dabei anfallenden Programme mit den vielen Parametern durcheinanderkäme und immer vergessen würde, welche Symbole er dafür gewählt habe. Programmieren mache ihm mehr Mühe als Philosophieren, weshalb er sich nach den kleinen Schritten lieber dem großen Ganzen zuwende – zum Beispiel der Frage, ob man die unsterbliche KI der Computer der sterblichen Intelligenz des menschlichen Gehirns gegenüberstellen könne.
Die Immortalität der Maschinen komme dadurch zustande, dass man Software und Hardware trennen kann, und wenn ein Gerät ausfällt, lässt es sich einfach durch andere Apparate ersetzen. Während die humane Intelligenz mit ihren Neuronen und Synapsen in einem einzelnen Gehirn steckt, findet sich die KI in beliebig großen Computern, weshalb moderne große Sprachmodelle viel mehr Kenntnisse als ein einzelner Mensch zur Verfügung haben.
Doch Wissen ist die eine und Verstehen eine andere Sache. Während viele Informatiker meinen, dass die unbelebte und hirnlose Intelligenz der Sprachmodelle bei all ihrer Leistungsfähigkeit nicht versteht, was sie selbst an Sätzen produziert, schätzt Hinton die Lage anders ein. Er hat dem System die Frage gestellt, „Warum ist ein Komposthaufen wie eine Atombombe?“, die einige Menschen sicher dazu bringt, sich am Kopf zu kratzen. Der Computer reagierte, indem er erst einmal auf die Größenunterschiede bei den wirksamen Energien hinwies, um dann auf das Gemeinsame in Form der Kettenreaktion hinzuweisen, die bei der Atombombe mit der Freisetzung von Neutronen und bei dem Komposthaufen mit der Hitzeentwicklung zu tun hat. Hinton schließt daraus, dass KI versteht, worum es geht, und er fragt sich und seine Mitmenschen, was die Computer mit ihren an den neuronalen Netzen des Gehirns orientierten Verschaltungen noch alles erlernen und ausführen können.
Solche Art des Philosophierens mag leichter sein als professionelles Programmieren, aber Hinton hat sehr früh verstanden, dass er bei seiner neuen Tätigkeit keinen privilegierten Zugriff auf die Zukunft hat. Sein gedanklicher Wechsel hat nämlich auch damit zu tun, dass er bis vor Kurzem noch fest davon überzeugt war, es würde Jahrzehnte dauern, bis Maschinen die Intelligenz zeigen, über die sie heute schon verfügen. Bei dieser Art der Konfabulation sind Menschen noch besser als die Maschinen. Wer meint, dass das so bleibt?





