Das Gespräch führte SALOME BERBLINGER
Wie gelangen Chemikalien in den menschlichen Körper?
Unabhängig davon, wie gesund wir versuchen zu leben, können wir uns Chemikalien nicht entziehen. Wir nehmen sie auf unterschiedlichen Wegen aus der Umwelt auf, etwa beim Atmen, Trinken oder über die Haut. Nicht alle Chemikalien haben einen akuten Effekt, ansonsten wären wir alle längst tot. Die Gefahr für die Gesundheit entsteht bei manchen erst durch chronische Exposition, also wenn wir ihnen über einen langen Zeitraum ausgesetzt sind. Deshalb stehen PFAS besonders im Fokus, sie sind kaum abbaubar und sehr langlebig.
Was passiert mit PFAS im Körper?
PFAS können nicht komplett mit dem Urin ausgeschieden werden und sammeln sich stattdessen in bestimmten Geweben an. In einer Studie haben wir PFAS in Plazenten-Proben nach erst achtwöchiger Schwangerschaft nachgewiesen. Wir erforschen außerdem, wie sich PFAS im Körper auch in der Mischung mit weiteren Chemikalien verhalten. Denn die Zulassung findet aktuell für einzelne Chemikalien statt. Die Realität sieht aber anders aus. Wir wollen wissen, ob Chemikalien, die einzeln unbedenklich sind, als Mischung toxisch werden.
Wie erforschen Sie die Auswirkungen von Chemikalienmischungen auf die Gesundheit?
Im Projekt Endomix untersuchen wir aktuell mit insgesamt elf Partnern aus sieben Ländern in der EU, wie Chemikalienmischungen auf das Immunsystem wirken. Unsere Forschung zeichnet das aufwendige Studiendesign aus: Wir greifen auf die Daten von langjährigen Populationsstudien aus den verschiedenen Ländern zurück und setzen sie mit neuen Immunparametern in Verbindung. Das Wissen über die realen Mischungen von Chemikalien in den Körpern der Probandinnen und Probanden wenden wir dann in Plazenta-Modellen sowie Tierversuchen an. Wir verabreichen etwa trächtigen Mäusen Chemikalienmischungen und beobachten, was mit ihnen in der Schwangerschaft und mit den Nachkommen in den nächsten zwei Generationen passiert. Diese integrierte Strategie ist ambitioniert und evidenzbasiert, braucht allerdings mehr Zeit als schnelle In-vitro-Versuche. Wir können entsprechend nicht mit der Geschwindigkeit der Zulassung von Chemikalien mithalten.
Was wissen Sie schon heute über den Einfluss von PFAS auf das Immunsystem?





