Diesem Dreiklang von Kunst, Demokratie und Macht lässt sich mit Perikles ein Basso continuo unterlegen, der seine Ära entweder zur Blütezeit der Poliswelt oder zum imperialistischen Vorspiel eines mörderischen Kriegs zwischen Athen und Sparta, des Peloponnesischen Kriegs (431–404), macht. Dementsprechend werden Licht oder Schatten auf den „Ersten Mann“ Athens geworfen.
Gustav Adolf Lehmann bemüht sich um kritische Distanz, wenn er kenntnisreich und wohlbelesen durch das 5. Jahrhundert und das Leben seines Helden führt: von Kindheit und früher Jugend in der Zeit der Perserkriege über die „Lehrjahre“ während des Aufstiegs Athens zur Seemacht bis zum Einstieg in die Politik an der Seite des demokratischen Reformers Ephialtes (462/61).
Danach formte Perikles das Schicksal und das Bild Athens, nach innen mit dem Bürgerrechtsgesetz und nach außen etwa mit dem Versuch, neben Sparta zur griechischen Landmacht zu werden. Der Frieden mit Persien und Sparta schuf Raum für neue Pläne: Ein großangelegtes Bauprogramm und ein (missglückter) Kongress aller Hellenen in Athen sollten die „Schule Griechenlands“ zum glänzenden Mittelpunkt der Hellenen machen. Doch auf dem Gipfel der Macht zeigten sich erste Schatten („Samos-Krise“), die sich durch Spannungen zwischen Athen und wichtigen Bündnispartnern Spartas (Megara und Korinth) vertieften und auch auf Perikles fielen, weil er den Entscheidungskampf nicht verhindern konnte oder wollte. Ein gedanken- und wortreiches Buch über Perikles, über den damit aber bestimmt noch nicht das letzte Wort gesprochen wurde.
Rezension: Eder, Walter




