Als der Mecklenburger Heinrich Schliemann 1871 mit den abenteuerlichen Ausgrabungen auf dem Hügel bei Hisarl?k am Eingang zu den Dardanellen begann, wagte noch niemand so recht daran zu glauben, daß die Kampfstätte Homers, der Troia mit seiner Dichtung unsterblich gemacht hat, etwas anderes als eine Erfindung sei, die vorzüglich als Schullektüre diente. Heinrich Schliemann aber glaubte an die Realität der Aussagen und Beschreibungen in der „Ilias“ und begann mit seinen Arbeiten an dem Ort, den er für Troia hielt. Eine erste monographische Zusammenfassung seiner Ergebnisse legte Schliemann 1881 vor. In den Jahren 1893 und 1894 führte Wilhelm Dörpfeld die Grabungen fort. Nach langer Pause wurde dann erst wieder in den Jahren 1932 bis 1938 von der University of Cincinnati unter Carl Blegen in Troia ausgegraben. Funde und Befunde wurden schließlich in den 50er Jahren in einer mehrbändigen Publikation vorgelegt, die bis zum Beginn der derzeit noch andauernden Arbeiten als verläßliche Quelle zu den verschiedenen Schichten Troias diente. Seit den amerikanischen Kampagnen in den 30er Jahren war in Troia nicht mehr gearbeitet worden, so daß die Ruinen immer mehr verfielen. Die Besucher des Orts konnten außer dem nachgebauten Holzpferd gar nichts erkennen oder verstehen. Trotzdem diskutierten die Archäologen immer wieder und weiter über Troia. Es gab sogar Meinungen, daß Hisarl?k und Troia nicht identisch seien. Die Wissenschaftler, die diese Ansicht vertraten, argumentierten, daß es bisher keine überzeugenden Funde gäbe, die einen solch heftigen und langen Krieg wie den in der „Ilias“ beschriebenen belegen könnten. Außerdem paßten Troia und seine Landschaft nicht zu dem Bild des von Homer geschilderten befestigten Königssitzes: Sowohl für die Unterstadt als auch für die Befestigungsgräben gegen die achaiischen Streitwagen gebe es keine Nachweise. Auch der von Schliemann gefundene „Schatz des Priamos“ wurde in seiner Authentizität von einigen Wissenschaftlern angezweifelt. Außerdem gebe es keine Schriftfunde in Troia. Man fragte sich, was Troia nun eigentlich überhaupt sei: griechisch oder anatolisch? Im Jahr 1988 wurden die Grabungen in Troia dann unter der Leitung von Professor Manfred Korfmann von der Universität Tübingen wiederaufgenommen. Zunächst wurde die alte Ausgrabungsfläche teilweise gereinigt und freigelegt, um die Ruinen der Ruinen sowohl für die Besucher des Orts als auch für die Fachleute verständlicher zu machen. Parallel zu diesen Außenarbeiten wurde das alte Vermessungssystem Dörpfelds mit Hilfe eines neuen digitalen Vermessungssystems geprüft und in neue Pläne übertragen…
Museumstip: Die wichtigste ständige Ausstellung von Troia-Funden ist zu sehen im: Museum für Vor- und Frühgeschichte Spandauer Damm 19, 14059 Berlin, Dienstag bis Freitag 10–18 Uhr, Samstag/Sonntag 11–18 Uhr, Telefon 030/32674811. Das Museum zeigt Schliemann-Ausgrabungen von der ersten bis zur jüngsten Schicht. Vom „Schatz des Priamos“ besitzt das Museum – vor dem Zweiten Weltkrieg angefertigte – Galvano- Abgüsse. Optisch reizvoll sind die Repliken, die ein Goldschmied nach dem Krieg anhand von Bildvorlagen erstellte.




