Im Jahr 2017 erschien ein Himmelskörper auf der Bühne der Astronomie, der zu einem ausgesprochenen Promi avancierte. Zunächst ließen die Teleskop-Beobachtungen darauf schließen, dass es sich um einen Kometen oder Asteroiden unseres Sonnensystems handelt. Doch dann wurde anhand seiner ungewöhnlichen Bahn und hohen Geschwindigkeit deutlich, dass der ‘Oumuamua getaufte Himmelskörper aus den Tiefen des Alls zu uns gekommen war. Dorthin entschwand er auch schon bald wieder nach dem Vorbeiflug an der Sonne.
Abgesehen von Staubkörnern war er damit das erste interstellare Objekt, das Astronomen entdeckt haben. Man nimmt an, dass solche Himmelskörper einst aus ihren Heimatsystemen geschleudert wurden und sich danach auf den Weg durchs All machten. Offenbar sind sie auch nicht so selten, wie man meinen könnte: Schon 2019 wurde ein weiteres Exemplar entdeckt: 2I/Borisov. Doch im Gegensatz zu diesem typisch kometenhaft wirkenden Objekt blieb ‘Oumuamua geheimnisumwittert.
Was verursachte den Schub?
Den Beobachtungsdaten zufolge liegt seine Größe unter 200 Meter und offenbar besitzt er eine seltsame Form – etwas zwischen einer Zigarre und einem Pfannkuchen. Bei ihm war keine Koma genannte nebulöse Hülle zu erkennen und auch kein Schweif, wie sie die meisten Kometen aufweisen. Der seltsamste Aspekt war allerdings das beobachtete Bewegungsverhalten. Er wurde in einer Weise von der Sonne weg beschleunigt, die sich die Astronomen nicht durch Gravitationseffekte erklären konnten. So kamen sogar Spekulationen auf, es könnte sich bei dem seltsamen Objekt um ein außerirdisches Raumschiff handeln.
Berechnungen ergaben außerdem, dass die auf den Kometen auftreffende Sonnenenergie nicht ausgereicht hätte, um für einen Beschleunigungseffekt zu sorgen, der durch mobilisiertes Wasser entstehen kann. Nur die Abgabe von leichtflüchtigen Gasen wie Wasserstoff, Stickstoff oder Kohlenmonoxid hätte angesichts der eintreffenden Sonnenenergie für eine ausreichende Beschleunigung sorgen können. Möglich erschien somit, dass der Komet zu einem Großteil aus festen, gefrorenen Formen dieser Substanzen besteht. Doch es blieb fraglich, wie sich ein Körper aus diesen Stoffen gebildet haben könnte.
Doch dann kamen Jennifer Bergner von der University of California in Berkeley und Darryl Seligman von der University of Chicago auf die Idee, dass es auch eine einfachere Erklärung geben könnte: “Ein Komet, der durch das interstellare Medium reist, wird stark von der kosmischen Strahlung beeinflusst und bildet dabei Wasserstoff. Unser Gedanke war: Wenn das passiert, könnte sich der Wasserstoff im Inneren sammeln, sodass er, wenn er ins Sonnensystem eintritt und sich erwärmt, ausgast”, sagt Bergner. Doch könnte das tatsächlich die Kraft erzeugen, die nötig war, um die beobachtete Beschleunigung zu verursachen?





