Im Reigen der Museen, die an die Vertreibungsgebiete der Deutschen erinnern sollen (vgl. den Artikel zum Schlesischen Museum in Görlitz in DAMALS 2-2008, Seite 72), ist das Ostpreußische Landesmuseum (OL.) das Erste: Es wurde 1987 eröffnet. Grundlage war der „Kulturparagraph“ des Bundesvertriebenengesetzes, der vorgab, dass „das Kulturgut der Vertreibungsgebiete in dem Bewusstsein der Vertriebenen und Flüchtlinge, des gesamten deutschen Volkes und des Auslandes zu erhalten“ sei, unter anderem durch die Gründung von Museen. Dass Ostpreußen einst deutsch war, das wollte man in der Kohl-Ära betonen, was unter anderem zu der Entscheidung führte, dass die Geschichte der Region nach 1945 nicht mehr Gegenstand der musealen Präsentation sein sollte. So aber kann kein Besucher erfahren, warum ein Museum für Ostpreußen ausgerechnet in Lüneburg seinen Platz fand: nämlich wegen der hohen Zahl von Vertriebenen aus Ostpreußen in der Region. Von Anfang an war das OL. ein Politikum und musste sich stets des Verdachts erwehren, eine Art Kultstätte für Vertriebene zu sein.
Dann ereignete sich das Unvorstellbare: 1989 fiel die Mauer, mehr noch, 1991 wurde die Sowjetunion aufgelöst, und plötzlich war Ostpreußen nicht mehr hinter dem „Eisernen Vorhang“, sondern wurde zu einem normalen Reiseland. Seine Flora und Fauna musste nicht mehr in Dioramen beschworen, sie konnte einfach vor Ort erlebt werden. In den folgenden Jahren wuchs die Europäische Union nach Osten, es entwickelten sich Kulturaustausch, gemeinsames Forschen und bilaterale Ausstellungsprojekte zwischen Deutschland, Polen, Litauen und Russland, den Ländern, zu denen das einstige Ostpreußen heute gehört. Das Museum, unter anderen politischen Auspizien eröffnet, erwies sich in seiner Präsentation als nicht mehr zeitgemäß, und so wird 2015 das OL. räumlich stark erweitert und mit einer gänzlich überarbeiteten Konzeption neu eröffnet, wie Museumsdirektor Dr. Joachim Mähnert erklärt. …
Den vollständigen Artikel finden Sie in DAMALS 09/2013.
Dr. Heike Talkenberger




