Die Leber ist ein zentrales Stoffwechselorgan unseres Körpers. Ist ihre Funktion gestört, wird der Organismus mit Giftstoffen überschwemmt und lebenswichtige Substanzen wie Blutgerinnungsfaktoren werden nicht mehr gebildet. Für Menschen mit akutem Leberversagen oder einer chronischen Lebererkrankung ist eine Organtransplantation daher die letzte Rettung. Doch der Bedarf an Spenderlebern ist groß und die Wartelisten sind lang. Aus diesem Grund müssen Mediziner immer häufiger auf Organe zurückgreifen, die zwar noch funktionieren, aber nicht in einem optimalen Zustand sind – zum Beispiel aufgrund von Vorerkrankungen des Spenders.
Das Problem: Gerade solche angeschlagenen Spenderlebern überstehen den Transport zum Patienten oftmals nicht. Die seit Jahrzehnten angewandte Methode, die Organe herunter zu kühlen und in einer Kühlbox zu lagern, erweist sich bei diesen Lebern häufig als fatal. So sind vorbelastete Organe zum Beispiel generell anfälliger für sogenannte Reperfusionsschäden – sie können entstehen, wenn nach längerer Minderdurchblutung wieder frisches Blut durchs Gewebe fließt. Hinzu kommt: Einen drohenden Organverlust bemerken Ärzte bei diesem Verfahren erst, wenn es zu spät ist. Denn im gekühlten Zustand können sie die Funktionsfähigkeit der Leber nicht überprüfen. Die normale Zellaktivität des Organs ist dann unterdrückt.
Körperähnliche Umgebung
Forscher fahnden deshalb schon länger nach besseren Möglichkeiten, Lebertransplantate vom Spender zum Empfänger zu bringen. Auf der Suche nach Alternativen ist in den letzten Jahren unter anderem die sogenannte normotherme Maschinenperfusion (NMP) in den Fokus gerückt. Dabei wird die Leber in einem Apparat transportiert, der ihr gewissermaßen vorgaukelt, sich noch im Organismus zu befinden. Sie behält Körpertemperatur und wird über Schläuche mit sauerstoffreichem Blut, Nährstoffen sowie speziellen Medikamenten versorgt. Angeschlossen an diesen künstlichen Blutkreislauf funktioniert sie weiterhin wie im Körper und kann zur Not sogar bis zu 24 Stunden am Leben gehalten werden. Außerdem können Mediziner drohende Schäden sofort feststellen und nötigenfalls Gegenmaßnahmen ergreifen.
David Nasralla von der University of Oxford und seine Kollegen haben nun erstmals den klinischen Vergleich in einer randomisiert kontrollierten Studie gewagt: Wovon profitieren Patienten mehr – dem Spenderorgan aus der Kühlbox oder dem, durch das beim Transport noch Blut fließt? Für ihre Untersuchung teilten sie 220 zur Transplantation entnommene Lebern zufällig in eine von zwei Gruppen ein: die einen sollten gekühlt, die anderen mit dem NMP-Verfahren zum Patienten gebracht werden. Es zeigte sich: Zwar bekamen die Patienten mit der NMP-Methode ein deutlich länger konserviertes Organ – die Dauer von der Entnahme bis zur Transplantation verlängerte sich durch die Prozedur um 54 Prozent. Trotzdem überstanden diese Lebern die Zeit außerhalb des Körpers deutlich besser, wie die Wissenschaftler berichten.





