Bluthochdruck – keine Diagnose wird in deutschen Arztpraxen häufiger gestellt. Doch nur jeder Dritte der fast 20 Millionen Betroffenen erhält eine optimale Therapie. Das ergab eine Mitgliederbefragung des Bundesverbandes Niedergelassener Kardiologen, an der sich 261 Ärzte beteiligt hatten.
Ausgewertet wurden die Daten von mehr als 7000 Patienten, die meist Hausärzte an die Spezialisten überwiesen hatten. Lediglich ein Drittel hatte akzeptable Werte unterhalb der kritischen Schwelle von 140/90 Millimeter Quecksilbersäule. Doch für viele der befragten Kardiologen war das offensichtlich kein Problem: Sie stuften 60 Prozent ihrer Patienten als „optimal eingestellt” ein. Äußerst fragwürdig war außerdem, welche Medikamente die Mediziner wählten, um den Blutdruck zu senken: Laut ärztlicher Leitlinie sollten Patienten mit zusätzlichen Krankheiten wie Diabetes, Herz- oder Nierenerkrankungen möglichst schonende Wirkstoffe erhalten, beispielsweise die sogenannten AT1-Rezeptorantagonisten. Doch die meisten Ärzte machen kaum Unterschiede in der Behandlung und verordnen am liebsten die in Fachkreisen umstrittenen Beta-Blocker. Vor allem Kassenpatienten gucken in die Röhre: Nur 22 Prozent bekommen die teuren AT1-Antagonisten. Bei den Privatpatienten ist dieser Anteil doppelt so hoch.





