Die Zahl der Klöster in Österreich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts war enorm groß, das Land verdiente wahrhaft den Namen „Klösterreich“. Nach einer ersten Welle von Klostergründungen in der Zeit der bayerischen Mission des heutigen Österreich (St. Peter und Nonnberg in Salzburg um 690, Mondsee 748, Innichen/San Candido 769, Kremsmünster 777 oder Mattsee 784) wurden vor allem im hohen Mittelalter im Zuge des Landesausbaus viele Klöster gegründet.
Die wichtigsten Orden waren die Benediktiner (zum Beispiel Lambach, Göttweig, Admont, St. Lambrecht, St. Paul, Melk, Seitenstetten, Altenburg, Wiener Schottenkloster), die Zisterzienser (zum Beispiel Rein, Heiligenkreuz, Lilienfeld, Zwettl, Wilhering, Neukloster in Wiener Neustadt, Stams, Schlierbach, Neuberg an der Mürz, Säusenstein, Baumgartenberg, Viktring, Engelszell), die Prämonstratenser (zum Beispiel Geras, Schlägl, Wilten) und die Augustiner-Chorherren (zum Beispiel St. Florian, Reichersberg, Herzogenburg, Klosterneuburg, Vorau). Weitere Klosterniederlassungen erfolgten vom 13. Jahrhundert an in den Städten durch die Bettelorden der franziskanischen Bewegung. Um 1300 gab es in Österreich 25 Minoritenklöster und acht Klarissenklöster, auch die Dominikaner gründeten damals eine Reihe von Konventen (Friesach, Wien, Wiener Neustadt, Krems, Retz, Graz, Steyr). Eine ganz andere Form von frommen Gemeinschaften betrieben die Eremitenorden, die sich ausschließlich dem beschaulichen Leben widmeten; sie kamen in der Zeit Josephs II. besonders unter Beschuß. Dazu gehörten als älteste Gründungen die im heutigen Slowenien liegenden Kartausen Seiz (Z¡ic· e, 1165) und Geirach (Jurklos¡ter , um 1170), wenig später folgten die bedeutenden Kartausen Mauerbach (1313), Gaming (1330) und Aggsbach (1380), die am Beginn der Klosteraufhebungen eine wichtige Rolle spielten.
Zwar bildete die Reformation einen dramatischen Einschnitt, aber durch die bald einsetzende Gegenreformation kam es in der Habsburgermonarchie zu zahlreichen Klostergründungen, einem regelrechten „Kloster-Boom“. Davon profitierten die Orden der Gegenreformation am meisten. Dazu gehörten auf männlicher Seite vor allem Jesuiten, Piaristen, Kapuziner, Barmherzige Brüder, Serviten, Unbeschuhte und Beschuhte Augustiner-Eremiten, auf weiblicher Seite Unbeschuhte Karmelitinnen, Ursulinen, Elisabethinerinnen, Sale-sianerinnen und Englische Fräulein. Sie widmeten sich der Jugenderziehung, der Volksmission, der Krankenpflege, aber auch dem kontemplativen Leben. In Wien und seinen Vorstädten gab es um 1660 25 Klöster; im Jahr 1700 waren es bereits 125. Um 1770 gab es in den habsburgischen Erbländern und in Ungarn 2163 Klöster mit etwa 45 000 Klosterangehörigen.
Wie fast alle Phänomene der Geschichte hatte auch der josephinische Klostersturm Vorläufer in der Vergangenheit. Die Reformation hatte für viele Klöster – besonders im Norden Deutschlands – das Aus bedeutet. Die Grundidee Josephs II. – Reduzierung der Klöster und dafür Vermehrung der Pfarreien – wurde sogar schon von seinem ganz in der Tradition des Barockkatholizismus stehenden Großvater Kaiser Karl VI. geteilt. Dieser sah das „notwendigste und zulänglichste Mittel“ gegen die „leidige Ketzerei“ in der „Restaurier- und Vermehrung der Pfarretheyen“. Daher begann man schon in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts mit dem Aufbau eines Säkularklerus.




