Als besonders schwerwiegend wurde die Niederlage der 5. Legion unter M. Lollius in Nordgallien durch die Sugambrer im Jahr 16 v. Chr. angesehen. Sie hat Augustus unter anderem dazu bewogen, persönlich in Gallien zu erscheinen und zwischen 16 und 13 v. Chr. die Zivil- und Militärverwaltung Galliens neu zu organisieren. Nun erst rückten die Legionen und ihre Hilfstruppen in mehrjährig bezogene Standlager an den Rhein vor: In Noviomagus/Nijmwegen, Vetera/Xanten, Novaesium/Neuss und in Mogontiacum/Mainz sind die ersten größeren Legionslager an Mittel- und Niederrhein bezeugt.
Bevor es ab 12 v. Chr. an Mittel- und Niederrhein zu weiteren militärischen Aktionen kam, erfolgte zur Sicherung der römischen Nordgrenze, also Italiens, im Jahr 15 v. Chr. die Eroberung des Alpen- und Voralpengebietes. Dieser Alpenfeldzug, der nur einen Sommer lang dauerte, sollte neben der Unterwerfung der Alpenstämme vor allem das Gebirge durch sichere Straßenverbindungen nach Norden erschließen. Durchgeführt wurde er von zwei Heeresgruppen, die unter dem Oberbefehl der beiden Stiefsöhne und potentiellen Nachfolger des Augustus, der kaiserlichen Prinzen Drusus und Tiberius, standen.
Im Jahr 12 v. Chr. kam es dann zu einer großen römischen Offensive gegen die rechtsrheinischen Germanen. Auch im Jahr 11 v. Chr. erfolgten römische Siege gegen germanische Stämme. Die Römer kamen dabei bis zur Weser, wo sie allerdings Nachschubprobleme und das Nahen des Winters zur Umkehr zwangen. Der römische Siegeslauf Roms endete vorerst mit dem Tod des Drusus, der 9 v. Chr. an der Elbe durch einen Sturz vom Pferd starb. Vor seinem Tode hatte Drusus im Maingebiet die Markomannen noch so vernichtend geschlagen, daß diese sich unter der Führung ihres Königs Marbod nach Böhmen zurückzogen. 40000 Germanen, vor allem Sugambrer, wurden damals auf linksrheinisches Gebiet deportiert. Nach dem Tod des Drusus stellte Tiberius alle rechtsrheinischen Aktivitäten Roms vorerst ein, verschiedene rechtsrheinische Militärlager wurden damals planmäßig geräumt.
Erst im Jahr 1 n. Chr. änderte sich dies: unbekannte Vorgänge im Inneren Germaniens, die offensichtlich als Bedrohung empfunden wurden, bewegten Rom wieder zum Eingreifen rechts des Rheins, jedoch mit mäßigem Erfolg. Erst Tiberius brachte in den Jahren 4 und 5 weitere Teile Germaniens unter römische Kontrolle. Velleius Paterculus schrieb damals: “Von nun an gab es in Germanien nichts mehr, was hätte unterworfen werden können, vom Stamme der Markomannen abgesehen.” Diese Äußerungen scheinen aber doch weit überzogen gewesen zu sein; der Schriftsteller Cassius Dio überliefert hier ein wesentlich realistischeres Bild: “In Germanien spielten sich folgende Ereignisse ab: Die Römer hatten gewisse Teile des Landes in ihrer Gewalt, nicht ein zusammenhängendes Gebiet, sondern nur solche, wie sie gerade hier und da von ihnen unterworfen worden waren.”




