Als große, systematische Ankäufe gelangten asiatische Handschriften vor allem seit den 1970er Jahren in die Bayerische Staatsbibliothek. Darunter eine Sammlung kunstvoll geschnitzter oder bemalter tibetischer Buchdeckel, die mittlerweile auf mehr als 100 Objekte angewachsen ist, Palmblatthandschriften aus Bali, eine international beachtliche Sammlung von Handschriften des chinesischen Minderheitenvolks der Yao oder tibetische Musiknotenhandschriften. Von den heute 11500 asiatischen Objekten stammen 1600 aus Zentralasien, 2 600 aus Süd-, 4100 aus Südost- und 3200 aus Ostasien.
Das wertvollste Stück vom indischen Subkontinent, das die Ausstellung zeigt, ist ein mit Edelsteinen besetzter Buchdeckel aus Gold, der eine Palmblatthandschrift aus Sri Lanka schmückt. Reizvoll ist ein illustriertes thailändisches Buch zum Lobpreis der Katzen. Eine völlig andere Welt zeigen üppig bebilderte tibetische Exponate aus der Mongolei, darunter die Geheime Autobiographie des 5. Dalai Lama und ein tibetisches Totenbuch der Gelugpa-Schule. Von der chine‧sischen Hochkultur zeugen etwa eine Schriftrolle aus Dunhuang von 673 und ein einzigartiges daoistisches Leporello. Ein weiteres Glanzstück stammt aus Japan: eine Ausgabe des Genji Monogatari, des berühmtesten Werks der japanischen Prosaliteratur, in einer Abschrift aus dem Umkreis der Tokugawa-Shogune.
Im 5. Jahrhundert v. Chr. gab es in Indien neben Buddha einen zweiten Religionsgründer, der, ebenfalls aus fürstlichem Haus stammend, eine äußerst strengem asketischem Leben verpflichtete Religion gründete: Mahavira („großer Held“). Dem Jainismus zufolge wird die Welt nicht von einem Gott, sondern von kosmischen und sittlichen Gesetzen regiert; und sie ist ewig. Heilsziel ist die Befreiung des Menschen aus dem Geburtenkreislauf, was durch rechte Erkenntnis, rechtes Handeln und Askese erreicht werden könne.
1708 schuf ein Anhänger dieser Religion eine Art Enzyklopädie, die reich mit in lebhaften Farben gehaltenen Miniaturen ausgestattet ist. Sie behandelt nicht nur religiöse Themen, sondern thematisiert vieles, von der Kosmographie (einer geographischen Weltbeschreibung) bis zum Verhalten eines idealen Königs. In unserem Beispiel (unten) ist das höfische Leben dargestellt: Der ideale König sitzt in seinem Palast; darunter sind einige seiner Attribute zu sehen wie Pferd, Kriegselefant und Streitwagen…
Liebe, Götter und Dämonen Wertvolle asiatische Handschriften Bayerische Staatsbibliothek (München, Ludwigstr. 16), 2. – 27. Januar 2008 In der ersten von acht wichtigen Schatzkammerausstellungen, mit denen die Bayerische Staatsbibliothek im Jahr 2008 ihr 450-jähriges Bestehen feiert, zeigt sie Handschriften aus Zentral-, Süd-, Südost- und Ostasien. Auch die Vielfalt der Beschreibstoffe, Schriften, Themen und Stilrichtungen fasziniert. Zur Ausstellung erscheint ein reichbebilderter Katalog. Weitere Informationen auch zu den Begleitveranstaltungen unter: http://www.bsb-muenchen.de/ Ausstellungen.67.0.html





