In derselben Ausgabe der Zeitschrift beginnt ein Aufsatz über universelle Zustandsgleichungen mit dem Hinweis, dass der Chemiker Robert Boyle einen ersten Versuch zum Zusammenhang thermischer Zustandsgrößen bereits 1662 unternommen habe. Boyle sei damals aufgefallen, dass das Volumen eines Gases V bei konstanter Temperatur T umgekehrt proportional zum Druck P ist, was man auf der Schule in Form der Gleichung PV=cT beigebracht bekommt, wobei c eine Konstante ist. Man nennt das eine Zustandsgleichung, mit deren Hilfe sich Eigenschaften von Systemen verstehen lassen, die aus viele Teilchen bestehen.
Solche Formeln haben die höchst erfolgreiche Entwicklung der Physik ermöglicht, die man als Thermodynamik des Gleichgewichts kennt. Schon länger können makroskopische Eigenschaften ohne detaillierte mikroskopische Beschreibungen berechnet werden. Allerdings wäre es langsam an der Zeit, einen entsprechenden Rahmen auch für Systeme zu konstruieren, die sich fern von einem solchen thermodynamischen Gleichgewicht befinden. Zum Beispiel also Systeme, die eine hohe Energiedissipation aufweisen. Dabei kommt es zu irreversiblen Prozessen mit wachsender Entropie – was nicht nur eine wissenschaftliche Spielerei ist, sondern beim Klimawandel atmosphärische Abläufe mit hoher Energieverschwendung und Umweltzerstörung meint.
Die Physik des Nicht-Gleichgewichts hat Nachholbedarf, weshalb die „universelle Zustandsgleichung“ für eine Kaskade von turbulenten Materiewellen, wie sie in der eingangs erwähnten Veröffentlichung angekündigt wird, meine Aufmerksamkeit auf sich zog. Die Autoren des Aufsatzes zeigen sich optimistisch, mit ihrem Ansatz nicht nur Ozeanwellen und das Strömen von interplanetarem Plasma, sondern auch die Turbulenzen von Finanzmärkten in den wissenschaftlichen Griff zu bekommen. Wobei die langfristige Hoffnung besteht, die Ökonomie als soziale Physik und die Physik als die Ökonomie der Natur zu verstehen.
Ohne auf Details der komplexen Zustandsgleichung einzugehen, kann die Tatsache, dass Turbulenzen überhaupt zu erfassen sind, den Weg freimachen, um die erfolgreiche Thermodynamik von Gleichgewichtsprozessen auf Zustände auszudehnen, die fern von solch einem Equilibrium sind. Es ist zwar nicht zu glauben, aber wenn die Vernachlässigung der Nicht-Gleichgewichts-Thermodynamik bestehen bleibt und sich die Turbulenzen weiterhin jedem quantitativen Verständnis entziehen, wird die Welt das erleben, was die Physiker im 19. Jahrhundert als Kältetod der Welt befürchtet haben. Dieser tritt ein, wenn sich im Gleichgewicht nichts mehr bewegt. Nur wird uns im 21. Jahrhundert ein Wärmetod ereilen, in dem jede Ordnung verloren gegangen ist. Aber Immerhin kann man dann die Zustandsgleichung der turbulenten Hitzewellen angeben.





