Erkrankungen des Gehirns und des Nervensystems haben viele Gesichter. Sie umfassen gelegentliche Leiden wie Spannungskopfschmerzen und Migräne, Behinderungen wie Epilepsie und Autismus-Spektrum-Störung, Erkrankungen wie Hirnhautentzündung und Tumore des zentralen Nervensystems, neurologische Probleme durch Frühgeburten sowie Erkrankungen, die üblicherweise im Alter auftreten, darunter Schlaganfälle und Demenz. Zusammen stellen sie weltweit die Hauptursache für gesundheitliche Probleme und Behinderungen dar.

Steigende Fallzahlen
Im Rahmen der Global Burden of Disease-Studie hat ein internationales Forschungsteam nun zusammengetragen, in welchem Ausmaß Menschen weltweit von neurologischen Krankheiten betroffen sind. Dazu werteten die Forschenden Daten aus 204 Ländern und Territorien zwischen 1990 und 2021 aus, wobei sie 37 verschiedene Krankheiten des Nervensystems und des Gehirns erfassten – darunter auch neu aufgekommene wie neurologischen Probleme in Folge von Covid-19. Daraus berechnete das Team nicht nur die Gesamtzahl der betroffenen Menschen, sondern auch, wie viele gesunde Lebensjahre durch neurologische Krankheiten verloren gehen. Dieser Wert wird als Disability-adjusted life years bezeichnet, kurz DALYs.
„Weltweit litten im Jahr 2021 rund 3,4 Milliarden Menschen an einer von 37 erfassten neurologischen Krankheiten, und 11,1 Millionen Menschen starben daran“, berichtet das Forschungsteam. „Insgesamt gingen dadurch 443 Millionen gesunde Lebensjahre verloren, 18 Prozent mehr als 1990.“ Der Anstieg der absoluten Zahl ist den Forschenden zufolge vor allem darauf zurückzuführen, dass die Weltbevölkerung immer größer und durchschnittlich immer älter wird. Betrachtet man dagegen nur die verlorenen Lebensjahre pro Altersgruppe, zeigt sich, dass dieser Wert seit 1990 um etwa ein Drittel gefallen ist. Die Gründe für diese positive Entwicklung sind der Analyse zufolge bessere Aufklärung, Impfungen und globale Präventionsmaßnahmen für einige Erkrankungen. So sind die altersstandardisierten DALYs durch Tetanus seit 1990 um 93 Prozent zurückgegangen, bei Meningitis um 62 Prozent.
Unterschiede zwischen den Ländern
Zwischen den verschiedenen Regionen der Welt stellten die Forschenden große Unterschiede fest. Am besten ist die neurologische Gesundheit in einkommensstarken Regionen des asiatisch-pazifischen Raums. Hier gehen pro 100.000 Einwohner weniger als 3.000 gesunde Lebensjahre durch neurologische Erkrankungen verloren und nur 65 von 10.000 Menschen sterben im Jahr daran. In Westeuropa liegt der Durchschnittswert bei 3.114 verlorenen Lebensjahren und 68,6 Todesfällen pro 100.000 Einwohner. Deutschland schneidet mit 3.299 DALYs und 71,1 Todesfällen pro 100.000 Einwohner dabei etwas schlechter ab als seine Nachbarländer.





