Speckröllchen und Co – die unbeliebten Rundungen des menschlichen Körpers bestehen aus weißen Fettzellen, die überschüssige Energie in Form von Fett speichern. Wie die Forschung der letzten Jahre gezeigt hat, besitzt der Menschen aber auch eine kleine Menge von Fettzellen, die sich von diesen Energiedepots unterscheiden. Sie weisen besonders viele Mitochondrien auf, was ihnen eine bräunliche Färbung verleiht. Diese Zellkraftwerke setzten in dem braunen Fettgewebe bei Kälte Energie in Wärme um, um den Körper vor Unterkühlung zu schützen. Im Gegensatz zu einem Speicher haben die braunen Fettzellen damit gleichsam die Funktion von Heizaggregaten. Zudem verbrennen sie Kalorien und senken den Blutzuckerspiegel. Dadurch sind sie ins Interesse von Forschern gerückt, die sich mit Stoffwechselproblematiken wie Fettleibigkeit und Diabetes beschäftigen.
Signalmolekülen auf der Spur
Bisher ging man eigentlich davon aus, dass das braune Fettgewebe seine Aktivität bei körperlicher Aktivität einschränkt. Studien deuten darauf hin, dass es während des Trainings weniger Zucker aus dem Blut aufnimmt. Das macht Sinn, denn der Kraftstoff wird bei erhöhter körperlicher Aktivität in den Muskeln benötigt. Doch wie die Forscher um Kristin Stanford von der Ohio State University in Columbus nun herausgefunden haben, übernehmen die braunen Fettzellen bei körperlicher Anstrengung offenbar ebenfalls eine wichtige Aufgabe.
Im Rahmen ihrer Studie suchten die Forscher nach Molekülen, die bei moderater körperlicher Anstrengung im Blutkreislauf verstärkt auftauchen. “Wir wissen, dass Bewegung für den Stoffwechsel gut ist, aber wir verstehen nicht ganz, welche Prozesse involviert sind“, sagt Stanford. Um Einblicke zu gewinnen, untersuchten sie und ihre Kollegen Blutproben von 56 Probanden unterschiedlichen Alters, Geschlechts und Fitnessgrades. Die Studienteilnehmer hatten sich 45 Minuten auf einem Trainigs-Fahrrad beziehungsweise auf einem Laufband moderat angestrengt.
Quelle aufgedeckt
Wie die Forscher berichten, tauchte ein spezielles Molekül durch die körperliche Betätigung verstärkt im Blutkreislauf der Probanden auf: das Lipid mit der Bezeichnung 12,13-diHOME. Wie die Forscher erklären, handelt es sich um ein sogenanntes Lipokin, das Stoffwechselprozesse beeinflussen kann. Wie sie feststellten, wird es auch bei Mäusen im Zusammenhang mit körperlicher Anstrengung gebildet. Wenn sie es den Nagern künstlich verabreichten, zeigte sich zudem: Ihre Muskeln nahmen verstärkt Fettsäuren aus dem Blut auf und verstoffwechselten sie.
Dass es sich bei den Produzenten des 12,13-diHOME um die Zellen des braunen Fettgewebes handelt, legten ebenfalls Experimente an Mäusen nahe: Nachdem die Forscher einigen Versuchstieren das braune Fettgewebe chirurgisch entfernt hatten, tauchte das Lipokin bei körperlicher Anstrengung nicht mehr im Blutkreislauf auf. Offenbar war also die Quelle beseitigt worden: das braune Fett.





