Das Anti-Müller-Hormon (AMH) spielt in der Embryonalentwicklung eine wichtige Rolle für die Differenzierung der Geschlechtsorgane. Bei männlichen Embryos produzieren die Hoden das Hormon und sorgen dafür, dass sich die Vorläufer von Gebärmutter und Eileitern zurückbilden und sich männliche Geschlechtsmerkmale entwickeln. Bei geschlechtsreifen Frauen wird AMH zudem in den Eierstöcken produziert. Ein hoher AMH-Spiegel deutet dabei darauf hin, dass viele reifungsfähige Follikel zur Verfügung stehen und eine Frau gute Chancen auf eine Schwangerschaft hat. Studien an Mäusen haben jedoch gezeigt, dass eine übermäßig hohe AMH-Konzentration die Reifung der Follikel hemmt und somit einen Eisprung verhindert.
Gentherapie statt chirurgischer Sterilisation
Diese Beobachtung hat sich ein Team um Lindsey Vansandt vom Cincinnati Zoo and Botanical Garden in Ohio zunutze gemacht, um einen neuen Ansatz zur Geburtenkontrolle bei Katzen zu entwickeln: Dazu erstellte das Team eine leicht veränderte Version des AMH-Gens von Katzen. Dieses bewirkt eine AMH-Produktion auch in normalerwiese nicht hormonell aktiven Zellen. Um das veränderte Gen in die Zellen der Katzen einzuschleusen, nutzten die Forschenden einen viralen Vektor, der bereits erfolgreich für Gentherapien beim Menschen verwendet wird. Für die Machbarkeitsstudie spritzten sie sechs erwachsenen Katzen den Gentherapievektor mit dem veränderten AMH-Gen in den Oberschenkelmuskel. Die Hälfte der Tiere erhielt eine hohe, die andere Hälfte eine geringe Dosis. Drei weitere Katzen dienten als Kontrollgruppe.
Nach der Injektion beobachtete und untersuchte das Team die Katzen regelmäßig. „Dabei stellten wir keine wesentlichen Nebenwirkungen fest“, so das Team. Blutuntersuchungen zeigten, dass die Gentherapie tatsächlich den gewünschten Effekt hatte: „Eine einzige Injektion des Gentherapievektors veranlasst die Muskeln der Katze, AMH zu produzieren, das normalerweise nur in den Eierstöcken gebildet wird, und erhöht den AMH-Gesamtwert um das Hundertfache“, berichtet Co-Autor David Pépin von der Harvard Medical School in Boston. Andere Blutwerte, darunter auch der Spiegel weiterer Geschlechtshormone, blieben dagegen weitgehend unbeeinflusst.
Erfolgreiche Empfängnisverhütung
Um herauszufinden, ob der hohe AMH-Spiegel tatsächlich verhindert, dass die Katzen trächtig werden, ließen die Forschenden zwei Mal für jeweils vier Monate einen Kater zu den neun Katzen. Per Video zeichneten sie auf, wie oft sich die Individuen paarten. Zudem untersuchten sie wöchentlich per Ultraschall, ob eine Katze trächtig geworden war. „Nach beiden Paarungsphasen brachten alle Katzen aus der Kontrollgruppe jeweils zwei bis vier gesunde Kätzchen auf die Welt“, berichten Vansandt und ihr Team.





