Die Autoren erläutern zunächst die Bedeutung der Religion als tragendes Funda-ment der antiken Gemeinschaft. Das lebensweltliche Ineinanderfließen von Religion, Philosophie und Ethik wird ebenso dargestellt wie die Beziehungen von Individuum, Familie und Gesellschaft, zudem die Probleme, die sich ergaben, wenn einzelne religiöse Gruppierungen von den allgemein geltenden Normen abwichen. Im nächsten Schritt werden die antiken Quellen beschrieben. Es kommen die griechische Bibelübersetzung, Weisheitsliteratur und Apokalyptik, die Werke des Philon und des Josephus, antike jüdische und hellenistisch-römische Literatur, nicht-literarische Quellen (etwa Privaturkunden und Münzen) sowie die Forschungsergebnisse der biblischen Archäologie zur materiellen Kultur zur Sprache.
Die Darstellung des historischen Rahmens beginnt mit einem informativen Überblick über die Geschichte des Imperium Romanum und wendet sich dann den geographischen, historischen und politischen Gegebenheiten in Kleinasien und Nordafrika zu. Insbesondere die Verhältnisse in Ägypten und Palästina unter römischer Herrschaft stehen im Mittelpunkt. Auch das Leben in den jüdischen Diaspora-Ge?meinden und die Formierung des rabbinischen Judentums werden thematisiert. Der Band bietet eine Einleitung in die Chronologie des Neuen Testaments und einen ebenso gerafften wie präzisen Einblick in die Grundstrukturen des römischen Personen-, Vermögens- und Strafrechts (illustriert durch eine Fallstudie zum Prozeß des Paulus) sowie der griechischen und jüdischen Rechtsverhältnisse. Den thematisch geschlossenen kurzen Einzelabschnitten sind durchweg die relevanten neutestamentlichen Stellen sowie aktuelle weiterführende Literaturangaben beigegeben.
Das ebenso verständlich wie prägnant geschriebene Studienbuch bietet eine zuverlässige Erstinformation für alle, die sich für die Lebenswelt der ersten Christen interessieren, und ermöglicht zudem einen Einblick in zahlreiche interessante Einzelaspekte der hellenistisch-römischen Epoche.
Rezension: Tilly, Michael




